Thüringen Ärger über Corona-Regeln

Symbolfoto. adobestock
Symbolfoto. adobestock
Autor: LG | Datum: 18.10.2021
Thüringen bleibt das Bundesland mit der höchsten Corona-Inzidenz. Heute Morgen lag der Wert bei 138,9 - bundesweit liegt die Inzidenz bei 74,4. Trauriger Spitzenreiter ist dabei der Kyffhäuserkreis, der ist als erster in ganz Thüringen in Warnstufe 3 gerutscht - Bundesweit liegt er auf Platz 7 der Kreise mit höchster Inzidenz. Ganz besonders kritisch ist die Lage an den Schulen in Sondershausen und deshalb greift auch das Bildungsministerium ein. 

"An den Schulen gilt jetzt zum Beispiel eine Testpflicht für Schüler und Lehrer - das kostet zwar Zeit, ist aber wichtig, um potenzielle Corona-Fälle zu ermitteln.", hat uns ein Ministeriumssprecher gesagt. Außerdem gilt wieder Maskenpflicht im Unterricht und es gilt 3 G für Einrichtungsfremde Personen - also wenn zum Beispiel Eltern in die Schule kommen, müssen Sie nachweisen ob sie gegen Corona geimpft, genesen oder negativ getestet sind. Für die Schüler ist Singen im Unterricht vorerst verboten, Sport darf nur draußen gemacht werden und der Schwimmunterricht fällt erstmal ganz aus. "Wir haben viele unterschiedliche Mittel, um den Infektionsschutz an den Schulen zu erhöhen.", sagt der Ministeriumssprecher weiter - "Homeschooling sei dabei aber keine Option mehr. Dieses Schuljahr soll es keinen Distanzunterricht mehr geben.", heißt es aus dem Bildungsministerium. Präsenzunterricht sei trotz aller Einschränkungen die beste Möglichkeit, weil es beim Schulunterricht ja nicht nur um die Stoffvermittlung, sondern auch das gemeinsame Lernen und den sozialen Aspekt geht, meint der Ministeriumssprecher. Und das gehe eben nicht im Homeschooling.

Hier gehts zur neuen Allgemeinverfügung im Kyffhäuserkreis

Einige Kreise und kreisfreien Städte wünschen sich mehr Eingreifen vom Land - Weimar zum Beispiel - Oberbürgermeister Peter Kleine fordert, dass das Land sofort die Testpflicht in Schulen und Kindergärten wieder einführt. "In diesem Bereich habe es in den letzten Tagen nachweislich die meisten Corona-Fälle gegeben.", sagt Kleine - 3G in Restaurants, Hotels oder beim Sport soll es deshalb nicht geben. Viel wichtiger sei das Testen von Kindern und Jugendlichen, um die Fälle so schnell wie möglich zu entdecken.

Jena spricht sogar von Realitätsverweigerung der Landesregierung und fordert eine Testpflicht in den Schulen. Jenas Oberbürgermeister Thomas Nitzsche ist sauer - die Strategie seiner Stadt ist es, möglichst wenig Corona-Infektionen aufkommen zu lassen und dafür auch präventiv einzugreifen. Das Land schiebt den Corona-Tests in den Schulen, die die Stadt freiwillig weitermachen wollte, allerdings einen Riegel vor. Nitzsche fordert eine klare Teststrategie vom Land - oder zumindest die Möglichkeit, die in Jena umzusetzen und nicht vom Land sabotiert zu werden. Nur so sei eine Ausgewogenheit von regeln und ermöglichen gegeben: Jena sagt Ja zum Infektionsschutz aber auch Ja zu Sport - und Kulturveranstaltungen - und damit auch dem Weihnachtsmarkt. "All das soll in Jena stattfinden können - muss aber für alle Teilnehmenden sicher gestaltet werden.", betont Nitzsche.

Im Kreis Greiz gilt seit heute eine neue Allgemeinverfügung - unter anderem mit 3G für Restaurants, Hotels oder Schwimmbäder. Rein darf also nur, wer gegen Corona geimpft, genesen oder negativ getestet ist. die Testpflicht an Schulen, für die sich Landrätin Martina Schweinsburg eingesetzt hatte, kommt aber nicht. Und deshalb ist sie ziemlich sauer aufs Land - "Stattdessen werden andere Bereiche wieder mit Maßnahmen überzogen, die nicht Grund für die hohen Coronazahlen sind.", meint Schweinsburg. 

Besonders Ärger gibts gerade im Kreis Gotha. Der Landkreis wollte die Kooperative Gesamtschule Herzog Ernst für eine Woche, also bis zu den Herbstferien zu machen - damit die Kinder und Jugendlichen per Distanzunterricht lernen können. Dem hat das Land aber einen Riegel vorgeschoben. "Dieses Schuljahr soll es keinen Distanzunterricht mehr geben.", hat uns das Bildungsministerium gesagt - "Präsenzunterricht ist einfach das Beste für die Kinder - sie müssen viel Stoff aufholen und auch die sozialen Aspekte, wie gemeinsames Lernen oder auch Ausflüge und Klassenfahrten." - die seien für Kinder und Jugendliche so wichtig. 

Sie alle wieder präventiv in Quarantäne zu schicken, sei einfach der falsche Weg, meint der Ministeriumssprecher. Viele Fälle seien dazu noch nicht abschließend geklärt - die Kinder oder Lehrer seien aktuell nur als Kontaktpersonen registriert und wurden deshalb nach Hause geschickt. Landrat Onno Eckert kann diese Entscheidung überhaupt nicht nachvollziehen. Er hat Familien sogar bei Facebook empfohlen, die Kinder für diese Woche abzumelden. Und das geht wiederum fürs Ministerium gar nicht. "Das grenzt fast an einen Aufruf zum Schule schwänzen.", sagt der Ministeriumssprecher. Und das als Landrat zu sagen - das muss wohl geprüft werden. Der Kreis hofft, dass sich die Corona-Lage über die Herbstferien etwas entspannt. Inklusive dieser Woche hätte der Hotspot an der Schule ausgetrocknet werden können, meint der Kreis.