Experte über Doping im Leistungssport

Niemand ist unschuldig

Foto: dpa / Pixabay
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Autor: LF | Datum: 17.03.2019
Seit den Enthüllungen rund um den Erfurter Arzt Mark Schmidt sorgt das Thema Doping wieder für ordentlich Gesprächsstoff. Wir haben mit Dr. Lars Mortsiefer, dem Chefjuristen der NADA, gesprochen.

Wer im Leistungssport keine Leistung bringt, wird nicht mehr gefördert. Aber: Rechtfertigt das das Einnehmen von unerlaubten Mitteln? Die Nationale Anti-Doping Agentur Deutschland (kurz: NADA) versucht daher alles, um den Sport sauber zu halten bzw. wieder sauber zu machen. Und trotzdem gibt es kaum noch einen wichtigen Wettkampf ohne Dopingfälle.

Athleten sind nicht allein schuld

Vor allem aufgrund des hohen Erfolgsdrucks greifen viele Sportler zu Dopingmitteln. Wichtig ist also, die Erwartungshaltung zu schmälern. Mortsiefer sagt: "Eltern [sollten] nicht alles, was sie nicht erreicht haben, in ihre Kinder projizieren. Dem Trainer muss man Stück weit den Druck nehmen. Sponsoren muss man sagen: Nicht nur der erste Platz zählt, sondern auch ein guter 5. Platz ist etwas wert. Und natürlich geht es auch um die Erwartungshaltung in der Öffentlichkeit. Es nur am Athleten fest zu machen, ist zu wenig, auch wenn er natürlich Teil des Ganzen Systems ist."

16.000 Dopingproben reichen nicht aus

Schon lange haben sich aus Einzelfällen ganze Doping-Systematiken entwickelt. Dazu Mortsiefer: "Diese Systematik müssen wir aufbrechen, damit diese Verunsicherung bei den Athleten, die sauber sind, nicht mehr besteht oder verschwindet." Zwar sei man mit über 16.000-Dopingproben gut aufgestellt, trotzdem komme man in Bereichen wie dem Blutdoping nicht hinterher. Aus diesem Grund sei es wichtig, mit Laboren und staatlichen Ermittlern zusammen zu arbeiten. "Wir müssen aus der aktuellen Situation lernen, um das System noch besser zu machen."

Kontrollsystem muss geändert werden

Noch immer lassen Dopingkontrollen zu viele Grauzonen zu, in denen Sportler die Möglichkeit haben, sich unbemerkt zu dopen. "Zum Beispiel die Sichtkontrolle bei den Urin-Tests. Da haben wir herausgefunden, dass Athleten bei der Abgabe von Urin versuchen zu manipulieren. Also musste diese Lücke geschlossen werden. Genauso ist das mit der Bluttransfusion kurz vor dem Wettbewerb. Das waren bislang Zeiträume, wo wir mit unseren Tests nicht reingegangen sind, um die Athleten vor dem Wettkampf nicht zu stören. Also müssen wir darauf reagieren."

Auch 14-Jährige werden getestet

In Ausnahmefällen wie dem Turn- und Schwimmsport sei es durchaus keine Seltenheit, dass junge Sportler mit 14 oder 15 Jahren in das Kontrollsystem aufgenommen werden. In anderen Sportarten werden Athleten dagegen erst ab 18 Jahren getestet. Eine Dopingfreigabe sei allerdings keine Option: "Da müssen wir nur in die Gesichter der ganz kleinen Kinder schauen, die Leistungssport machen wollen. Denen will man eine Perspektive geben, ihren Sport dopingfrei machen zu können. Doping schadet, Doping schadet massiv. Es ist keine Option, Doping frei zu geben. Im Gegenteil: Wir dürfen gerade in der Prävention nicht nachlassen."

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