Hörer fragen, wir antworten: Welches Tier ist es?

Heimisch, invasiv, giftig: Tiere und Pflanzen in Thüringen

Die Larve des asiatischen Marienkäfers frisst andere Marienkäfer-Larven. Den Zweipunkt-Marienkäfer hat sie fast ausgerottet. Foto: Simone Quade
Die Larve des asiatischen Marienkäfers frisst andere Marienkäfer-Larven. Den Zweipunkt-Marienkäfer hat sie fast ausgerottet. Foto: Simone Quade
Autor: JM | Datum: 26.05.2018
Unsere Hörer haben uns Fotos von Insekten zugesendet, die sie nicht kennen. Dr. Gunnar Brehm vom Phyletischen Museum in Jena hat uns verraten, worum es sich handelt.

Zahlreiche Pflanzen und Tiere in Thüringen kommen ursprünglich nicht in Deutschland vor. Viele von ihnen haben Menschen geplant eingeführt. Doch ihre weitere, unbeabsichtigte Verbreitung ist inzwischen zum Problem geworden. Hier finden Sie Fotos von Insekten, die uns unsere Hörer zugeschickt haben. Wir klären, welche Insekten darauf zu sehen sind. 

Gebietsfremde Arten

Tier- oder Pflanzenarten, die von Natur aus nicht in Deutschland vorkommen, sondern erst durch den Einfluss des Menschen zu uns gekommen sind, bezeichnet man als Neobiota. Die meisten gebietsfremden oder nichtheimischen Arten haben Menschen absichtlich eingeführt. Beispielsweise die Einführung von Zier- und Nutzpflanzen wie das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) oder von Jagdwild wie der Waschbär (Procyon lotor).

Bei anderen Arten erfolgte dies jedoch unbeabsichtigt. Bei der Verschleppung von Pflanzensamen mit Handelsgütern oder von Larvenstadien im Ballastwasser von Schiffen (z.B. Körbchenmuschel, Corbicula fluminea). Der menschliche Handel und Verkehr spielen für die Einführung von Neobiota eine enorme Rolle.

Einheimische Arten

Einheimische Arten sind teilweise auch von Natur aus durch eingewanderte Arten verdrängt worden. Unsere Hörerin Kerstin Krause hat uns dieses Foto zugesendet. Sie wüsste gern, um welches Tier es sich hier handelt und ob es tatsächlich nach Thüringen gehört: 

Zikade. Foto: Kerstin Krause

Dr. Gunnar Brehm vom Phyletischen Museum in Jena hat sich das Insekt näher angesehen: "Es ist ein Zikade", sagt er. 

Zum Teil sind aber auch aus einheimischen Arten neue Tiere und Pflanzen entstanden, wie beispielsweise die Blaue Holzbiene. Diese Wildbiene war bis vor einigen Jahren vor allem im süddeutschen Raum verbreitet. Durch das wärmere Klima innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte hat ihr Bestand stark zugenommen und erobert Thüringen. Hier die Blaue Holzbiene im Bild:

 Die Blaue Holzbiene. Foto: Iris PasoldInvasive Arten

Invasive Arten sind gebietsfremde Pflanzen und Tiere, die mit den heimischen Arten in Konkurrenz treten um Lebensraum und Ressourcen. Sie können andere Arten oder ganze Artengemeinschaften verdrängen. So verdrängt beispielsweise an manchen Bachufern das Indische Springkraut alle anderen Gewächse.

 

 

 

  • Neophyten sind alle Pflanzen, die nach der Entdeckung Amerikas 1492 nach Mitteleuropa gelangt sind. Das sind etwa 12.000. Davon haben sich etwa 100 Pflanzen so "eingebürgert", dass sie heute Teil unserer heimischen Flora sind.
  • Neozoen sind etwa 1.000 Tierarten, die ursprünglich nicht in Deutschland heimisch waren. 250 gelten inzwischen bei uns als heimisch.

Einige der Neophyten und Neozoen gelten als invasiv, d.h. sie verbreiten sich sehr schnell und sind in ökologischer, ökonomischer oder gesundheitlicher Hinsicht bedenklich, weil sie ein Problem für den Naturschutz sind. Durch den Anbau in Land- und Forstwirtschaft verbreiten sich invasive Pflanzen und Tiere immer weiter: Kanäle und Straßen dienen als Wanderwege, die Tiere brechen aus der Gefangenschaft aus, Gartenabfälle werden in der freien Landschaft "entsorgt".

Die Orientalische Zackenschote

Die Orientalische Zackenschote. Foto: Th. Landesanstalt für Umwelt und Geologie

Eine invasive Pflanze ist beispielsweise die Zackenschote, die optisch dem Raps ähnlich ist. Sie ist eine erst in jüngerer Zeit in Mitteleuropa eingeschleppte Pflanze, die sich in weiterer Ausbreitung befindet. An den bereits besiedelten Standorten kann sich die Pflanze bei günstigen Bedingungen sprunghaft vermehren. Sie produziert eine hohe Zahl von Samen, die mit Hilfe von Erdtransporten, Mähwerkzeugen, Tierfutter und Tieren auch über größere Distanzen verteilt werden. Schon Wurzelfragmente reichen aus, um neue lokale Populationen zu bilden.

 Dr. Gunnar Brehm vom Phyletischen Museum in Jena sagt zur Zackenschote in Thüringen:

Kosten

Schätzungen zufolge liegen die Kosten für die Beseitigung der Schäden, die durch invasive Arten verursacht werden, in der EU zwischen 9,6 und 12,7 Milliarden Euro pro Jahr. Nach einer Studie des Umweltbundesamts betrugen die Kosten von 20 untersuchten gebietsfremden Arten im Jahr 2002 in Deutschland rund 167 Millionen Euro. Neuere Zahlen liegen für Deutschland noch nicht vor.

Hilfreiche Apps rund um die Natur

Offizielle Umwelt-App für Thüringen
Die App ist für verschiedene Bundesländer verfügbar und bietet unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten. Seltene Arten, z. B. ein Feuersalamander, kann mit Standort gemeldet werden. Zudem können Fotos zur Artenbestimmung an Experten geschickt werden. Dazu kommen Hochwasserkarten, Schutzgebiete, Erlebnisstrecken, etc.

Umwelt-App für IOS
Umwelt-App für Android

iNaturalist
App zur Artenbestimmung mit riesiger Community. Wer mit offenen Augen in der Natur unterwegs ist und sich oft fragt: Welchem Vogel, welcher Pflanze, welchem Insekt bin ich denn heute begegnet? Der kann diese App zur Artenbestimmung nutzen. Einfach Foto hochladen, sofort Ergebnisse angezeigt bekommen, und wenn das nicht hilft, die Community um Rat fragen. Anmeldung z. B. mit dem Facebook-Profil oder der Mailadresse ist notwendig.

iNaturalist für IOS 

iNaturalist Für Android 

Nature Free Europa
Kleines, aber feines Artenlexikon. Diese App hat zwar ein paar MB mehr beim runterladen, funktioniert dafür aber auch offline, wenn zum Beispiel im Wald kein Netzempfang ist. Zu 750 Arten, Pflanzen wie Tieren, sind jeweils mehrere Fotos zur Bestimmung vorhanden. Man muss die Listen mit den Fotos zwar selbst durchsuchen, diese sind aber gut sortiert und verhelfen schnell zum Treffer. Zu jeder Art gibt's einen kleinen Artikel mit wissenswerten Infos.

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