Suleman Malik im Thüringen Talk

Die erste Moschee in Thüringen

Suleman Malik und Andreas Kehrer / Foto: Antenne Thüringen
Suleman Malik und Andreas Kehrer / Foto: Antenne Thüringen
Autor: C | Datum: 03.06.2018
Der geborene Pakistani Suleman Malik über Kopftücher, den Koran und die Reform des Islam.

Ein Blick in die Geschichte lehrt uns: 1739 siedelte sich die erste muslimische Gemeinde unter der Schirmherrenschaft von Friedrich Wilhelm I. in Deutschland an. Im damals preußischen Potsdam, wo schon 1731 die erste Moschee errichtet wurde. Seither gehört der Islam zu Deutschland, selbst wenn das bis zum heutigen Tag von Heimatministern und Rechtspopulisten bestritten wird.

Auch in Thüringen gibt es Streit darüber. Besonders deutlich zeigt sich das im Erfurter Vorort Marbach, wo die muslimische Ahmadiyya Gemeinde demnächst die erste Thüringer Moschee baut. Natürlich gibt es schon länger muslimische Gotteshäuser im Freistaat, aber diese Moschee wird die erste sein, die genau zu diesem Zweck gebaut wird. Die erste Moschee mit Kuppel und Zierminarett in Thüringen also.

Suleman Malik ist der Sprecher der Ahmadiyya Gemeinde in Erfurt und kennt die Debatte über den Islam nur zu gut. Seit Jahren diskutiert der gebürtige Pakistani mit den Erfurter Bürgern und Bürgerinnen über Kopftücher, Scharia, Dschihad und den Koran. Dabei vertritt er eine überraschend liberale und friedliche Sicht der Dinge, denn die Ahmadiyya ist eine Reformgemeinde des Islams. Den Dschihad verstehen sie nicht als Gotteskrieg, sondern als eine Bemühung oder Anstrengung für Gott, die sich schon im alltäglichen Versuch ein rechtschaffenes Leben zu führen, erfüllen kann. Sie respektieren das Grundgesetz, die Frauen und auch andere Religionen. Ganz so, wie es sich die Deutschen von den Moslems nur wünschen können.

Wahl-Thüringer Suleman Malik / Foto: Antenne Thüringen

Aber die Deutschen gibt es genauso wenig, wie es die Moslems gibt. In Erfurt Marbach schickt sich daher eine kleine, aber lautstarke Minderheit an, den Bau der Moschee noch irgendwie zu verhindern. Dabei lassen sie nichts unversucht: Auf dem Baugrund, wo bald die Moschee entstehen soll, stellen sie riesige Holzkreuze oder aufgespießte Schweinsköpfe auf. Sie gründen hanebüchene Tierschutzvereine, rufen im Internet zu Brandanschlägen auf und einige Male, sah sich Suleman Malik auch schon persönlichen Angriffen ausgesetzt.

Höchste Zeit also, sich im Thüringen Talk einmal ausführlich mit dem Islam in Deutschland und der Ahmadiyya Gemeinde in Erfurt zu beschäftigen und zu erklären, wer da die erste Moschee in Thüringen baut.

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