RWE: Insolvenz, Millionen-Schulden, Entlassungen

Rot-Weiß Erfurt: Der Tragödie X. Teil

Rot-Weiß Erfurt
Rot-Weiß Erfurt
Autor: Christofer Hameister | Datum: 14.03.2018
Chaos beim FC Rot-Weiß Erfurt. Jetzt hat der Verein Insolvenz angemeldet!

Fragen und Antworten zur Insolvenz von Rot-Weiß Erfurt (Liga3-Online.de)

Text: Julian Koch

Warum hat Rot-Weiß Erfurt einen Insolvenzantrag gestellt?

Bereits Mitte Januar hatten die Verantwortlichen angekündigt, eine geregelte Insolvenz einleiten zu wollen, wenn der Rückstand zum rettenden Ufer zu groß werden sollte. Fehlten RWE zu diesem Zeitpunkt "nur" sechs Punkte, sind es jetzt bereits zwölf Zähler. Da der Klassenerhalt bei nur noch zehn ausstehenden Spielen kaum noch zu schaffen ist, zog Rot-Weiß Erfurt die Notbremse. "Durch den aktuellen Tabellenstand ist ein Hoffen auf den Klassenerhalt nicht mehr realistisch, es fehlt somit die Basis für eine positive Fortführungsprognose", begründet Präsident Frank Nowag in einer Mitteilung die Entscheidung. Mit der geordneten Insolvenz soll nun ein "klarer Schnitt" gemacht und die "Grundlage für einen Neuanfang" geschaffen werden. (Weiterlesen: Das Chaos bei Rot-Weiß Erfurt in der Chronologie)

Auf welche Summe belaufen sich die Verbindlichkeiten?

Mit Stichtag vom 30. November 2017 beliefen sich die Schulden auf 8,08 Millionen Euro. In dieser Summe sind Forderungsverzichte mit Besserungsscheinen in Höhe von 2,32 Millionen Euro enthalten, die erst bei einem Zweitliga-Aufstieg etappenweise fällig werden würden. Da diese Summe in der Bilanz nicht als Verbindlichkeit geführt wird, beläuft sich die bilanzielle Überschuldung zum 30. November 2017 auf 5,76 Millionen Euro. Größter RWE-Gläubiger ist der Leipziger Medien-Unternehmer Dr. Michael Kölmel, dem RWE nach "Bild"-Angaben 1,4 Millionen Euro schuldet (mit Besserungsschein). Bei Ex-Präsident Rolf Rombach als Privatperson und seiner Kanzlei stehen die Thüringer mit 562.000 Euro im Minus, der Stadt schuldet Erfurt laut der "Bild" rund 200.00 Euro. Weitere Gläubiger sind unter anderem Borussia Dortmund (156.000 Euro), Ex-Trainer Stefan Krämer (30.000 Euro) und Ex-Manager Torsten Traub (15.000 Euro).

Wie verläuft das Insolvenzverfahren nun?

Sobald das Verfahren eröffnet ist (wohl Anfang Juni), können die Gläubiger ihre offenen Forderungen beim Insolvenzverwalter anmelden. Dieser erstellt anhand der noch vorhandenen Masse einen Insolvenzplan und schlägt den Gläubigern einen Vergleich in Form einer Quote vor. Dafür ist im Rahmen einer Versammlung dann eine Mehrheit von 50 Prozent erforderlich. Beim VfR Aalen lag die Quote bei 1,6 Prozent. Dr. Michael Kölmel würde dann – wenn die Quote so wäre – nur 22.400 seiner 1,4 Millionen Euro erhalten.

Wann könnte das Insolvenzverfahren abgeschlossen sein?

Das ist noch ungewiss. Zum Vergleich aber: Beim VfR Aalen stimmten die Gläubiger dem Insolvenzplan Anfang Mai 2017 zu – und damit knapp drei Monate nach Stellung des Insolvenzantrags. Seit Ende Juni 2017 ist das Verfahren schließlich abgeschlossen, sodass der VfR Aalen schuldenfrei in die neue Saison ging.

Werden die Spiele von Rot-Weiß Erfurt aus der Wertung genommen?

Wird der Spielbetrieb bis zum Saisonende fortgeführt, bleiben alle Spiele in der Wertung.

Kann der Spielbetrieb bis zum Saisonende fortgeführt werden?

Ein deutliches Ja! Wie der DFB auf Anfrage mitteilte, könne der Spielbetrieb bis zum Saisonende fortgeführt werden.

Was passiert im sehr unwahrscheinlichen Fall, dass der Spielbetrieb doch nicht fortgeführt werden kann?

Dann würde Paragraf 55a Nr. 4 der DFB-Spielordnung greifen: Scheidet ein Verein vor den letzten fünf Spieltagen aus, werden alle Saisonspiele des Vereins nicht gewertet. Scheidet ein Verein innerhalb der letzten fünf Spieltage aus, gilt Folgendes: Alle bereits ausgetragenen Partien werden gemäß des Spielausgangs gewertet, alle nicht ausgetragenen Spiele werden mit drei Punkten und 2:0 Toren für den Gegner gewertet. Das heißt: Stichtag ist der 34. Spieltag. Sollte Rot-Weiß Erfurt vor dem 34. Spieltag aus dem Spielbetrieb ausscheiden, würden alle Spiele aus der Wertung fallen und somit annulliert werden. Damit es nicht dazu kommt, müsste RWE mindestens noch den 34. Spieltag austragen. Wenn die Thüringer erst danach aus dem Spielbetrieb ausscheiden, würden die nicht ausgetragenen Spiele – konkret gegen Großaspach, Bremen II, Meppen und Würzburg – für den Gegner gewertet werden. Alle anderen Partien bleiben gemäß des Spielausgangs in der Wertung.

Wer zahlt jetzt die Gehälter der Spieler?

Wie im Rahmen einer Insolvenz üblich, können die Spieler und Mitarbeiter des Vereins für drei Monate ein Insolvenzgeld von der Agentur für Arbeit beziehen.

Welche Konsequenzen drohen RWE?

Der DFB sieht in Paragraf 6 seiner Spielordnung einen Abzug von neun Punkten in der laufenden Saison vor. Nur in besonderen Ausnahmefällen kann von diesem Punktabzug abgesehen werden, beispielsweise wenn gegen den Hauptsponsor zuvor ein Insolvenzverfahren eröffnet worden ist. Weitere Konsequenzen über einen Punktabzug hinaus sind nicht vorgesehen.

Hat Rot-Weiß Erfurt noch Chancen auf den Klassenerhalt?

Kaum. Sobald der Punktabzug rechtskräftig wird, fällt RWE 21 Punkte hinter das rettende Ufer zurück. Bei nur noch zehn ausstehenden Spielen wäre der Abstieg in die Regionalliga damit so gut wie besiegelt. Selbst ohne den Punktabzug tendieren die Chancen auf den Klassenerhalt gegen Null. Klar ist aber ohnehin: Die Thüringer haben den Kampf um den Liga-Verbleib mit der Insolvenzanmeldung aufgegeben. Wie Präsident Frank Nowag am Mittwoch klar machte, fehle die Basis "für eine positive Fortführungsprognose."

Welche Perspektive hat der Verein nun?

Für Rot-Weiß Erfurt geht es nun darum, einen Neuanfang einzuleiten und sich als schuldenfreier Verein in der Regionalliga neu aufzustellen. (Weiterlesen: Warum die Insolvenz für RWE eine Chance ist).

Als Alemannia Aachen im November 2012 einen Insolvenzantrag gestellt hatte, stand ein Zwangsabstieg im Raum. Warum ist die Regelung nun kein Thema mehr?

Mit dem 1. Juli 2014 wurde Paragraf 6 der DFB-Spielordnung geändert. Bis dahin galt: Wurde über das Vermögen eines Vereins der 3. Liga das Insolvenzverfahren eröffnet oder die Eröffnung mangels Masse abgelehnt, stand er automatisch als erster Absteiger fest. Mittlerweile ist als Rechtsfolge, z.B. eines eigenen Antrags auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens durch einen Verein der 3. Liga, grundsätzlich der Abzug von neun Punkten vorgesehen. Die Regularien wurden diesbezüglich mit Beginn der Saison 2014/2015 an die Bundesliga und 2. Bundesliga angepasst, die bereits zuvor so verfahren waren. Heißt: Früher hatten ein bloßer Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens und die Bestellung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens noch gar keine spieltechnischen Konsequenzen. Der Zwangsabstieg wäre erst und nur dann erfolgt, wenn das Insolvenzverfahren später auch eröffnet oder dies mangels Masse abgelehnt worden wäre. Jetzt kommt es also zu einer milderen Rechtsfolge (Punktabzug statt Zwangsabstieg), diese greift allerdings ggf. bereits zu einem früheren Zeitpunkt. Im Fall von Alemannia Aachen kam der Zwangsabstieg letztlich nicht zum Tragen, da das Insolvenzverfahren erst nach dem letzten Spieltag eröffnet worden ist. Aachen ist am Ende der Saison 2012/13 sportlich abgestiegen.

Wann entscheidet der DFB über den Punktabzug?

Zunächst wird der DFB eine schriftliche Stellungnahme anfordern. Für diese hat Rot-Weiß Erfurt mehrere Tage Zeit. Anschließend wird der DFB-Spielausschuss zeitnah über den Punktabzug entscheiden. Beim FSV Frankfurt lagen in der vergangenen Saison zwischen Insolvenzantrag und Punktabzug knapp drei Wochen, beim VfR Aalen waren es davor rund vier Wochen. Denkbar ist nach DFB-Angaben aber auch, dass der Verein das Recht zur Stellungnahme abritt, sodass der Punktabzug schon kurzfristig rechtskräftig wird. Derzeit laufen diesbezüglich die Gespräche.

Würde der Punktabzug schon in dieser Saison greifen?

Ja. Wird der Insolvenzantrag während der laufenden Spielzeit gestellt, erfolgt der Punktabzug gemäß Paragraf 6 der DFB-Spielordnung in der aktuellen Saison. Wird das Insolvenzverfahren erst nach dem letzten Spieltag beantragt, erfolgt der Abzug mit Beginn der neuen Saison. Dies war zuletzt bei Viertligist Offenbach der Fall, der aufgrund eines nach Saisonende gestellten Insolvenzantrages mit neun Minuspunkten in die vergangenen Spielzeit gestartet war. Bei Rot-Weiß Erfurt würde der verhängte Punktabzug dagegen in der laufenden Saison greifen.

Welche Auswirkungen hätte der drohende Punktabzug für die übrigen Vereine der 3. Liga?

Sofern der Spielbetrieb fortgeführt wird – wovon auszugehen ist -, hat die Insolvenzanmeldung keine Auswirkung auf das Punktekonto der anderen Vereine. Auch an der Tabelle ändert sich nichts, da Rot-Weiß Erfurt bereits Letzter ist.

Gab es schon ähnliche Fälle in der Geschichte der 3. Liga?

Erst im vergangenen Jahr meldeten mit dem VfR Aalen und dem FSV Frankfurt gleich zwei Vereine innerhalb von nur acht Wochen Insolvenz an. Während Aalen den Klassenerhalt trotz des Abzugs von neun Punkten schaffte, stieg der FSV abgeschlagen als Tabellenletzter ab. In den Jahren zuvor profitierten derweil gleich mehrere Vereine von finanziellen Problemen der Konkurrenz. In der Saison 2008/2009 blieb Wacker Burghausen durch den freiwilligen Rückzug der Kickers Emden in der 3. Liga. Zwei Jahre später profitierten Bremen II und erneut Burghausen von den Zwangsabstiegen von Rot Weiss Ahlen und der TuS Koblenz. Nach der Saison 2013/14 verweigerte der DFB-Lizenzierungsausschuss den Offenbacher Kickers wegen Regelverstößen die Drittliga-Lizenz für die kommende Spielzeit, sodass Darmstadt 98 in der 3. Liga blieb und den Durchmarsch in die Bundesliga schaffte.

Wie viele Vereine haben in der Drittliga-Geschichte bereits einen Insolvenzantrag gestellt?

Nach Rot Weiss Ahlen (2011), Alemannia Aachen (2012), dem VfR Aalen und dem FSV Frankfurt (beide 2017) ist Rot-Weiß Erfurt nun der fünfte Verein – und der dritte innerhalb der letzten 13 Monate.

Droht die Gefahr, dass der RWE die verbleibenden zehn Spiele "abschenken" wird?

Eher nicht. Einige Spieler, etwa Philipp Klewin oder Theodor Bergmann, haben das Interesse der Konkurrenz (auch aus höheren Ligen) geweckt und wollen sich dementsprechend präsentieren. Für Nachwuchsspieler wie Marius Wegmann, Tobias Kraulich und Lion Lauberbach geht es darum, sich für das künftige Regionalliga-Team der Thüringer zu empfehlen. Darüber hinaus wird es Trainer Stefan Emmerling kaum mit seinem Gewissen vereinbaren können, wenn sich RWE dem Verdacht der Wettbewerbsverzerrung schuldig machen würde.

Wie wird die künftige Regionalliga-Mannschaft von Rot-Weiß Erfurt aussehen?

Das ist noch vollkommen offen. Trainer Stefan Emmerling, der zugleich auch Sportdirektor ist, hat hinter den Kulissen aber bereits mit den Planungen begonnen. Wie er Anfang März der "Thüringer Allgemeinen" sagte, gehe es darum, eine "torgefährlichere Mannschaft zusammenzustellen, die außerdem eine bessere Mentalität" habe. "Alles wird auf den Prüfstand kommen", kündigte der 52-Jährige an.

QUELLE: Liga3-Online.de

RWE-Tragödie in der Chronik

09.09.2017 __ Nach 5 Jahren: Derby RWE gegen Carl Zeiss Jena. Erfurt gewinnt mit 1:0. Seitdem ist es Erfurts letzter Sieg.
02.10.2017   Trainer Stefan Krämer muss gehen. Seinen Job übernimmt David Bergner.
08.10.2017   Thüringen-Pokal: RWE gegen Carl Zeiss Jena. Jena gewinnt.
17.10.2017   RWE-Vizepräsident Thomas Kalt räumt seinen Posten. Grund: Unstimmigkeiten zwischen Vorstand & Aufsichtsrat.
01.11.2017   Vereinspräsident Ralf Rombach wird entlassen. Grund: Finanzielle Unterlagen wurden nicht vorgelegt. Rombach soll sogar Schlüssel zu Aktenschränken einbehalten haben. Neuer Präsident wird Sponsor Frank Nowag.
10.11.2017   RWE steckt nicht mit 5, sondern mit 7 Millionen Euro in den Miesen. Ralf Rombach räumt freiwillig seinen Posten.
15.11.2017   Spielergehälter können nicht mehr gezahlt werden. Präsident Nowag bezahlt Sie aus eigener Tasche.
20.11.2017   Trainer Stefan Bergner wird entlassen. Neuer Trainer wird Stefan Emmerling.
21.11.2017   Sportmanager Torsten Traub wird entlassen. Grund: sportliche Neuausrichtung des Vereins.
27.11.2017   4.000 Euro Miete der Geschäftsstelle kann nicht mehr bezahlt werden. Weitere Schulden: Beim Busunternehmen, bei einem Caterer in Höhe von 60.000 Euro. Außerdem: Forderungen von der Telekom, Securitys, des Reinigungsunternehmens und Borussia Dortmund.
29.11.2017   Angesetzte Mitgliederversammlung für den 1.12. wird kurzfristig abgesagt.
14.03.2018   Der RWE meldet Insolvenz an!




 

 

Fanbrief: Was ist mit Rot-Weiß-Erfurt los?

Trainer Stefan Krämer wird entlassen, der Präsident Rombach wird ab- und wieder eingesetzt. Tage später wird er wieder, und diesmal endgültig, abgesetzt. Leiter Geschäftsstelle und Leiter Marketing & Sales Konstantin Krause und Torsten Traub werden entlassen (endlich). Herr Krause will plötzlich bei RWE einen Betriebsrat installieren, um seiner Entlassung entgegenzuwirken. Ein neuer Trainer, Stefan Emmerling, wird präsentiert, den sich Erfurt eigentlich nicht leisten kann. Zwischenzeitlich tritt, nach Zerwürfnissen mit RWE-TV, der Pressesprecher Wilfried Mohren zurück.

Ständig kommen neue Zahlen über Schulden und nicht bezahlte Rechnungen.

Die Hauptschuldigen der systematischen Stagnation des FC Rot-Weiß-Erfurt sind in meinen Augen Herr Rombach und sein miserabler Transferspezialist Torsten Traub! Der Rombach hat sich seit Jahren immer vor die Leute gestellt, die hauptsächlich für sämtliche Fehler in der Vereinspolitik die Schuld trugen. Beziehungsweise hat Rombach immer genau den anderen fähigen Leuten in den Hintern getreten, die Rot-Weiß wirtschaftlich sowie sportlich, mit absoluter Sicherheit, vorwärts gebracht hätten! Bestes Beispiel dafür ist der ehemalige Manager Stefan Beutel!

Sportlich steht Erfurt weiter das Wasser bis zum Hals, aber auch um die Gesamtlage des Vereins scheint es nicht wirklich gut bestellt. Wie dramatisch die Lage beim Drittliga-Dino ist, ist allerdings reichlich unklar. Eine für Freitag anberaumte Mitgliederversammlung wird keine Erkenntnisse geben können, denn sie findet nicht statt. Sehr zum Unmut von Präsident Frank Nowag.

Noch ein Wort zum neuen Stadion: als Fan fühlt man sich unwohl im neuen Stadion. Wir saßen immer im Block-D und haben für die Dauerkarte 250 € bezahlt. Nun haben es ja RWE und die Stadt nicht hinbekommen, die Westtribüne zur Nutzung freizugeben. Eine Schande für alle langjährigen treuen Fans, die dann auch noch für die Osttribüne das Doppelte bezahlen sollten. Eine Schande und Abzocke. Die bezahlbaren Plätze sind mies, da geh ich jetzt lieber nicht mehr ins Stadion. Zumal die Spiele diese Saison eh schlecht – wobei das noch untertrieben ist - sind

Fazit: Landen wir sportlich und finanziell im Nirwana am Ende der Saison?? ARMER RWE!!

Fanbrief von A. aus E. (Name der Redaktion bekannt)