Album der Woche von BENNE

Schwächen sind Schätze, die es zu bergen gilt

BENNE. Foto: Felix Wittich
BENNE. Foto: Felix Wittich
Autor: MS | Datum: 06.08.2018
Nach "Nie mehr wie immer" und "Alles auf den Weg" erscheint nun das dritte Studioalbum von BENNE: "Im Großen und Ganzen". Unser Album der Woche.

Auf seinem neuen Album bricht der Singer-Songwriter BENNE mit der ewigen Sehnsucht nach Neuem und wagt das Abenteuer: An den tiefsten, verletzlichsten Punkt zu gehen. Bei sich selbst und dem Gegenüber.

"Ich möchte Gefühlen Platz geben, um sich so zu zeigen, wie sie wirklich sind.", erklärt der in Berlin lebende Singer-Songwriter BENNE über sein drittes Studioalbum. „Sich selbst zu sehen und zu spüren, im Großen und Ganzen, das ist ein roter Faden auf dem Album.", erklärt er. „Ich will aus früheren Fehlern mehr lernen als nur spätere zu vertuschen", lächelt er mit neuem Frieden im Gesicht.

Der Endzwanziger blickt ganz bewusst in den Moment und strahlt eine Ruhe und Selbstverständlichkeit mit sich selbst aus, die man nur selten antrifft. „Ich will mich aufmachen, ohne mich dabei vor der Welt zu verschließen. Viele Musiker sprechen davon, dass Musik ihr Leben sei. Ich kann da nicht mitgehen. Musik muss für mich immer aus dem Leben heraus entstehen und nicht umgekehrt. Und genau das macht Musik für mich so schön. Dass sie eben mit viel, viel größeren Dingen verbunden ist als nur mit sich selbst."

Und genau hier beginnt die musikalische Schatzsuche. Denn Schwächen sind zuallererst Schätze, die es zu bergen gilt." Bis zum tiefsten Punkt nehme ich dich mit auf den Grund. Zu all meinen Schwächen. Zu all meinen Schätzen", heißt es tonangebend in dem Song Bis zum tiefsten Punkt.

BENNE zeigt sich verletzlich und öffnet Räume, die vorher verschlossen waren. Wer sich mit ihm auf die musikalische Reise begibt, spürt mit Fortgang des Albums den zuversichtlichen, lebensbejahenden Grundton. In dem erhebenden Song "Alles bewegt sich" löst BENNE den Knoten des beklemmenden Gefühls auf, im Widerstand mit sich selbst zu sein.

Der Singer-Songwriter liefert mit Im Großen und Ganzen ein musikalisches Manifest ab. Es ist der Gegenentwurf zu einer lauten Zeit, die gefüllt ist mit Meinungen, die vorschnell Recht haben wollen und die Stärke und die Zärtlichkeit der Ellbogen als gangbares Mittel auserkoren hat. Es geht auch anders. Im Großen und Ganzen erzählt von der „relativierenden Sicht auf sich selbst, die das Große im Blick behält. Sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen und eingebettet zu sein in der Welt", fasst BENNE zusammen. Solche bescheidenen Töne tun gut.

BENNEs Songs bestechen auf Im Großen und Ganzen durch den klaren, mutigen Blick, bei dem am Ende eines feststeht: Träume werden nicht kleiner, wenn man größer wird. Sie werden machbar.