Urteil über Umgang mit sozialen Medien nach dem Tod

Wer erbt unsere digitalen Daten?

Facebook muss den Eltern eines toten Mädchens Zugang zum Facebook-Konto ihrer Tochter gewähren.
Facebook muss den Eltern eines toten Mädchens Zugang zum Facebook-Konto ihrer Tochter gewähren.
Autor: JM | Datum: 12.07.2018
Facebook muss den Eltern eines toten Mädchens Zugang zum Facebook-Konto ihrer Tochter gewähren. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden.

Wie ihre Tochter gestorben ist, wissen die Eltern: Ihr 15-jähriges Mädchen wurde 2012 von einer U-Bahn erfasst und überlebte es nicht. Doch seitdem türmen sich unbeantwortete Fragen in der Familie: War es wirklich ein Unfall? War es vielleicht doch Selbstmord? Die Antworten liegen auf dem Facebook-Profil ihrer Tochter. Doch das soziale Netzwerk erlaubte den Eltern nicht, die persönlichen Nachrichten ihres Kindes zu lesen. 

Um den Gedenkzustand, in den Facebook das Profil der 15-Jährigen setzte, wieder aufzuheben, ist die Mutter bis vor den Bundesgerichtshof gezogen. Mit dem heutigen Urteil erhoffen sich die Eltern nun nach sechs Jahren von den Profildaten neue Hinweise zur Todesursache ihres Kindes zu bekommen. 

Noch nie darüber nachgedacht 

Etwa 80 Prozent alle Internetnutzer hat sich noch nie darüber Gedanken gemacht, was nach dem Tod mit den eigenen persönlichen Daten passiert. Wer darf dann auf die Profile bei Facebook, YouTube oder ihre E-Mail-Konten zugreifen?

Bisher gibt es keine einheitliche, klare Regelung für den digitalen Nachlass, obwohl z.B. ein digitales Konto an sich zum Erbe zählt. Allerdings können sich Nutzer nicht sicher sein, wer in welchem Unfang nach dem Tod auf die persönlichen Daten zugreift. Viele Plattformen haben daher eigene Vorgehensweisen:

Facebook

Auf Facebook können beispielsweise Kontoinhaber einen Nachlasskontakt oder die Löschung des Kontos nach dem Tod festlegen. Hat der Nutzer beides nicht angegeben während er lebte, können Freunde nach dem Tod einen Hinweis an das soziale Netzwerk senden, dass die Person gestorben ist. Dann wird das Profil in den Gedenkzustand versetzt. Niemand darf dann mehr die persönlichen nachrichten lesen - wie im Fall der 15-Jährigen aus Berlin. Obwohl die Mutter die Log-in-Daten ihrer Tochter hatte, wollte sie Facebook nicht auf die Chats zugreifen lassen.

GMX und Web.de

Einen Erbschein von den Hinterbliebenen verlangen GMX und Web.de. Nur mit dieser öffentliche Urkunde, die bestätigt, dass sie tatsächlich die Erben sind, wierden die Unternehmen aktiv. Außerdem müssen sich die Erben ausweisen und schriftlich den Zugriff auf das Konto beantragen. Das alles geht digital, sie müssen die erforderlichen Dokumente lediglich einscannen und an den E-Mail-Anbieter senden.

Google 

Über den Kontoinaktivität-Manager konnen Google-Nutzer eine Vertrauensperson bestimmen. Wird der Account längere Zeit nicht verwendet, erhält die genannte Person eine Benachrichtigung und kann es im Fall des Todes löschen. Ist keine Vertrauensperson eingetragen, lasse sich ein Konto in einigen Fällen in Abstimmung mit nahen Angehörigen löschen. Letzendlich behält sich allerdings die Firma vor, zu entscheiden, wer auf die Daten zugreifen darf und wer nicht.