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Faktencheck IMPFEN

Fake oder Fakt. Wir klären auf. Foto adobestock
Fake oder Fakt. Wir klären auf. Foto adobestock
Autor: ES | Datum: 29.07.2021
Todeszahlen über Impftote werden verheimlicht. In Bad Berka gibt es eine ganze Etage mit Impfgeschädigten. Die Impfung wirkt nicht - Gibraltar ist der Beweis. Was stimmt - was nicht?

Raus aus der Gerüchteküche - rein in den Faktencheck. Gerade jetzt während der ganzen Impfdebatte um Nachteile für Geimpfte und Vorteile für Ungeimpfte kursieren Fakenews, Gerüchte und Halbwahrheiten.

Wir klemmen uns dahinter, holen uns die echten Zahlen, sprechen mit Verantwortlichen, Experten aus Medizin und Wissenschaft.

 

"Hier gibt es eine ganze Etage mit Impfgeschädigten. Die Station 1a wird aber geheimgehalten. Auch Tote gibt es hier immer wieder mal". Das soll eine Krankenschwester einem Patienten des Zentralklinikums Bad Berka erzählt haben. Der Mann meldet sich anonym bei uns - die Aussage liegt uns mündlich vor.

 

Der Faktencheck mit Petra Kühling, Nachrichtenchefin.

Es gibt keine Etage mit Impfgeschädigten. Die gab es auch noch nie. Und es gibt keine Station 1a. Fakt ist: In Bad Berka liegt EIN Patient mit einem schweren Verlauf, der von der Impfung kommen könnte und 2 mit schwachen Symptomen, so das Zentralklinikum Bad Berka auf unsere Nachfrage.

Außerdem, so Prof Pfister von der Hufelandklinik Weimar, eine solche "Etage" in unserem Gesundheitssystem zu verheimlichen, ist nicht möglich.

Faktencheck mit Petra Kühling

Corona-Patienten bekommen in großen Mengen Vitamin D und zwar erfolgreich! Die Krankenhäuser dürfen aber nicht darüber reden. Dieses Gerücht kommt von einem Hörer aus Wernshausen.

 

Der Faktencheck mit Nachrichtenchefin Petra Kühling:
Ja, tatsächlich bekommen Corona-Patienten immer wieder Vitamin D.  Aber das ist alles andere als geheim. Im Verlauf der Infektion wird der Vitaminspiegel immer mal wieder kontrolliert. Und ist er eben niedrig, wird nachgeholfen. Das steht auch so in den Leitlinien, für die Behandlung. Die Gabe von Vitamin D kann helfe, das gilt aber auch für andere Infektionen und ist üblich. Je besser der Vitaminspiegel, desto stabiler das Immunsystem, und das ist dann auch besser für die Covid-Behandlung. Die Informationen hat uns Prof. Pfister von der Hufelandklinik Weimar gegeben.

Faktencheck mit Petra Kühling

Menschen, die geimpft sind, können sich weiter infizieren und auch andere anstecken. Die ganze Diskussion um "Lass dich impfen, um andere zu schützen", ist also Quatsch.

 

Faktencheck mit Nachrichtenchefin Petra Kühlung.
Es stimmt, wer gegen Corona geimpft ist, kann sich weiter anstecken. ABER, die Wahrscheinlichkeit sich anzustecken, ist deutlich geringer. Das hat uns Prof. Wolfgang Pfister von der Weimarer Hufelandklinik bestätigt. Und weiter: WENN es passiert, ist auch die Viruslast viel niedriger. Also weniger Viren im Körper, damit sinkt hier auch noch mal die Gefahr, andere anzustecken.

In Zahlen, die sind ganz aktuell: Fast 42 Millionen Deutsche sind voll geimpft - etwa 3.800 haben sich bisher nach der zweiten Impfung angesteckt. Das ist rechnerisch nicht mal jeder 10.000 der nach Impfung Corona bekommen hat.
Eine Garantie, dass die Impfung andere schützt, die gibt es nicht. Deshalb soll die Maske noch bleiben, meinen die Experten.

Fazit: Geschützt werden andere Menschen trotzdem, wenn wir uns impfen lassen. Eben weil die Wahrscheinlichkeit Superspreader zu werden rechnerisch ganz deutlich sinkt.

Faktencheck mit Petra Kühling

Hörerin Katrin aus Gera: "Ich lasse mich nicht impfen, weil das Risiko der Nebenwirkungen viel zu groß ist. Keiner weiß, was da noch an Spätfolgen kommt".
Andere Anrufer sprechen sogar von "Menschenexperimenten" - und Komplikationen, die eh geheim gehalten werden.

 

Der Faktencheck mit Nachrichtenchefin Petra Kühling:

Nebenwirkungen gibt es, das ist klar, bei dem einen mehr - dem anderen weniger - Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Fieber. Das ist nach wirklich jeder anderen Impfung auch üblich, weil der Körper reagiert (was er ja auch soll). Gibt es Komplikationen, werden diese IMMER gemeldet und ausgewertet. Da gibt es ganz strenge Regeln. Das haben mir alle Experten - von den Kliniken über das RKI bis hin zum Gesundheitsministerium versichert. Was man natürlich NIE wissen kann, ist, ob später irgendwas kommt. Da war auch der Weimarer Klinikarzt ganz offen. Das sei aber auch bei jedem Medikament oder anderen Impfstoff so. Was er dagegen betont und bedrohlicher nennt: Wer Corona bekommt, kann auch Monate später noch extrem unter Long-Covid leiden. Mit den verschiedensten Symptomen: Dauermüdigkeit, Atemprobleme, Herzrhythmusstörungen. Da spricht der Chef der Post-Covid-Ambulanz in Jena sogar von zehn bis 20 Prozent der Patienten, die mittelschwer bis schwer erkrankt waren. Andere Studien sprechen von noch viel höheren Zahlen. Und - Long-Covid gibt es auch bei Leuten, die gar nicht gemerkt haben, dass sie Corona hatten. Das geht manchmal erst Monate später - betroffen sind auch Kinder.

Faktencheck mit Petra Kühling

Begründet wird diese Behauptung derzeit mit einer Statistik aus Gibraltar. Die Grafik macht bei Facebook die Runde. Die Halbinsel südlich von Spanien meldet eine Impfquote von sagenhaften 100 Prozent gegen Covid-19. Trotzdem ist die Inzidenz jetzt auf mehr als 600 gestiegen.

 

 

Der ANTENNE THÜRINGEN Faktencheck

Wie geht das?
Die Impfquote liegt gar nicht bei 100 Prozent, sondern deutlich darunter. In der britischen Exklave leben etwa 34 000 Menschen. Den Behörden zufolge wurden dort gut 78 400 Dosen Impfstoff verabreicht. 

Wie kommt es zu solchen Zahlen?
Nicht nur die Einwohner, sondern auch 8.000 spanische Pendler, wurden geimpft. Außerdem sind offenbar nicht alle Menschen in Gibraltar zweifach geimpft – auch nicht bei den über Zwölfjährigen. Und die hohe Sieben-Tage-Inzidenz ist auf die mittlerweile in ganz Europa dominante und hochansteckende Delta-Variante zurückzuführen. Die aggressive Variante ist in der Lage, auch Geimpfte zu infizieren. Aktuell werden 281 aktive Infektionen gemeldet. Davon sind 254 Einheimische betroffen und 27 Besucher. Trotz der hohen Zahl an Neuinfektionen müssen allerdings nur wenige Menschen im Krankenhaus behandelt werden. Auch Tote gab es zuletzt keine mehr.

Aber was bringt eine Impfung dann?
Die einfache Antwort: Sie schützt sehr zuverlässig vor schweren Krankheitsverläufen. Und das in allen Altersklassen.

Nein. Die RNA aus der Impfung gelangt zwar in einige Körperzellen (sonst könnte die Impfung nicht funktionieren). Aber sie gelangt nicht in den Zellkern, wo sich das Erbgut befindet. Dazu die Ständige Impfkommission (STIKO): Der Impfstoff wird zwar mit gentechnischen Methoden hergestellt, aber beim Geimpften findet keine Änderung des Genoms statt – und das kann man sich auch kaum vorstellen.

Fachwissen:
mRNA-Impfstoff. Die Abkürzung mRNA steht für messenger-Ribonukleinsäure, auch Boten-RNA. Der mRNA-Impfstoff enthält die genetischen Informationen für das Spike-Protein des Corona-Virus. Auch eine Integration von RNA in DNA ist nicht möglich. Denn die menschliche Zelle besitzt keine Möglichkeit, ein mRNA-Stück in ein DNA-Stück umzuschreiben, da dazu die notwendigen Enzyme (Eiweiße) fehlen. Lediglich DNA kann in mRNA umgewandelt werden. In Bezug auf den mRNA-Impfstoff heißt das: Die menschliche DNA bleibt unangetastet und wird nicht umgeschrieben, wenn der Impfstoff im Körper ist.

Unser Faktencheck zeigt: RNA und DNA sind verschieden aufgebaut und erfüllen unterschiedliche Funktionen. Vereinfacht ausgedrückt: Die DNA ist beim Menschen das permanente Speichermedium für die genetische Information, die RNA dient als Zwischenspeicher und Überträger von Informationen. mRNA steht für „messenger RNA" – also „Boten-RNA".

Auf der Webseite des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) steht: „Eine Integration von RNA in DNA ist unter anderem aufgrund der unterschiedlichen chemischen Struktur nicht möglich. Es gibt auch keinen Hinweis darauf, dass die von den Körperzellen nach der Impfung aufgenommene mRNA in DNA umgeschrieben wird."

Teilweise wurde dafür eine Studie aus den USA herangezogen, die diese These jedoch nicht belegt.

 

Der ANTENNE THÜRINGEN Faktencheck

Die Behauptungen beziehen sich auf sogenannte „vaccine-elicited, antibody-dependant enhancement" (ADE) beziehungsweise „vaccine associated enhanced disease" (VAED). Auf Deutsch spricht man von infektionsverstärkenden Antikörpern. Sie können einen Menschen theoretisch empfänglicher für schwere Krankheitsverläufe machen.

Solche Antikörper sind keine Covid-19-spezifische Erscheinung. Sie können allgemein durch Impfmaßnahmen oder nach einer durchlebten Infektion entstehen. Sie machen einen Menschen nicht immun, sondern erleichtern es den Viren später, sich an bestimmte Immunzellen zu binden und in sie einzudringen. Auf natürlichem Weg, also ohne einen Impfstoff, wurden solche Antikörper beispielsweise beim Dengue-Fieber beobachtet.

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) erklärt auf seiner Webseite jedoch, dass es bisher bezüglich mRNA-Impfstoffen „keinerlei Hinweise auf eine verstärkte Covid-19-Erkrankung bei geimpften Personen" gegeben habe.

Quelle https://correctiv.org/

Auch diese Behauptung ploppt jetzt in der aktuellen Diskussion wieder auf. Widerlegt wurde sie schon zu Beginn der Impfaktionen.

Wie kommt es zu der Behauptung? Einfach erklärt: Das körpereigene Protein (was auch die Gebärmutter aufbaut) und das Spike Protein des Virus sollen sich so ähnlich sein, dass die geimpften Antikörper den Aufbau der Plazenta verhindern würden. Viel "würde" und "sollen" ... Die Experten sagen: die Ähnlichkeit zwischen den beiden Proteinen ist nicht so groß, dass das passieren könnte.

Und für alle Kritiker: Danach müsste ja jede Frau, die bereits Covid-19 hatte, unfruchtbar sein. Das ist aber nicht der Fall. In Studien wurde auch keine erhöhte Zahl an Fehlgeburten oder Komplikationen festgestellt.

Faktencheck mit Petra Kühling

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