Shitstorm vs. Fakten

Erfurter Glühwein-Waschbär erschossen

Der Waschbär von Erfurt löst heftige Diskussionen im Netz aus. Foto wichmann-tv
Der Waschbär von Erfurt löst heftige Diskussionen im Netz aus. Foto wichmann-tv
Autor: ES | Datum: 09.12.2019
Das Netz regt sich über den Tod eines Waschbären auf.

Der Erfurter Waschbär!und die Folgen. Das Tier torkelte am Samstag über den Erfurter Weihnachtsmarkt. Viele Besucher zückten ihre Smartphones und fotografierten und filmten. Angeblich soll er sich mit Glühwein betrunken haben. Es fliegen ihm die Herzen bei Facebook & Co nur so zu. Schließlich kam die Feuerwehr und fing das Tier ein - beziehungsweise ist es fast freiwillig in die Transportbox geklettert.

Das Erfurter Tierheim schreibt wenig später auf seiner Facebook-Seite: "Leider nahm die Geschichte vom betrunkenen Waschbären kein Happy End. Der Stadtjäger nahm ihn mit und erschoss ihn."

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Tierheim Post löst Shitstorm aus. Screenshot Facebook

Nach dem Candystorm ❤️❤️ der ShitstormShitstorm

Nach der Nachricht über den Tod des Waschbären geht es im Netz zur Sache. Extreme Tierschützer machen den Jäger zum Täter - manche gleich die ganze Menschheit. Dagegen versuchen Facebooker wie Sebastian die aufgeheizte Stimmung wieder abzukühlen.  Er beantwortet einen radikalen Kommentar einer Tierschützerin so: Ich mag die Tiere auch, aber der Waschbär ist nun einmal eine extrem aggressive invasive Art, die ursprünglich nicht nach Deutschland gehört, jedes Auswildern würde dazu führen, dass einheimische Tierarten gefährdet werden. So traurig das für das Tier ist, aber es ist letztlich leider notwendig, um viele andere Arten zu schützen.

Waschbär - Kommentare auf Facebook

Anders als viele andere Wildtiere steht der Waschbär nicht unter Naturschutz. Nein. Zwar hat sich der Waschbär in der Natur Deutschlands und Europas seit Generationen weitgehend fest etabliert und wird sogar bereits den heimischen Tierarten zugerechnet, dennoch steht der Waschbär nicht unter Artenschutz.

Er wird zwar nicht im Bundesjagdgesetz unter § 2 aufgeführt, wurde jedoch in fast allen Bundesländern in den Landesjagdgesetzen zusätzlich als bejagbares Wild benannt. Eine Ausnahme stellt Bremen dar, hier können die Tiere ggf. im Rahmen der Schädlingsbekämpfung ganzjährig bejagt werden.

In Deutschland ist der Waschbär also nicht geschützt, zumindest nicht durchgängig, denn: Das Jagdrecht bestimmt für ihm unterliegende Tiere ggf. Schonzeiten. Viele Bundesländer haben von Schonzeiten für Waschbären abgesehen, nicht aber alle.
Innerhalb befriedeter Bezirke (Ortschaften, Gebäude, Friedhöfe) ist die Jagd in aller Regel grundsätzlich untersagt. Hier dürfen Tiere zumeist nur im Rahmen der Schädlingsabwehr gefangen und getötet werden. Die Fallenjagd oder Jagd in befriedeten Bezirken ist zumeist nur mit entsprechender Ausnahmegenehmigung zulässig.

Ja, Waschbären können gefährlich für Menschen sein.
Es ist durchaus möglich, dass Waschbären Menschen angreifen und Ihnen Bissverletzungen zufügen können. Besonders wenn Waschbären Nachwuchs haben, reagieren die Tiere sehr energisch und aggressiv

Für andere einheimische Arten stellt der Waschbär auch eine Bedrohung dar. Als effektiver Nesträuber gefährdet er unter anderem die Bestände zahlreicher Vogel- und Greifvogelarten, aber auch Fledermäusen oder der vom Aussterben bedrohten Europäischen Sumpfschildkröte geht es an den Kragen. Der Waschbär stellt für Naturschutz und Artenschutz somit selbst auch eine Gefahr dar. Das wiederum befeuert die Befürworter der Ausrottungsbestrebungen.

Waschbären sind Allesfresser und in Sachen Ernährung nicht wählerisch. Am liebsten verzehren sie Beeren, Früchte, Nüsse und Eicheln sowie Schalentiere, verschiedene Insekten und Eier. Auch Würmer und sogar Vögel und Kleinsäuger wie zum Beispiel Mäuse stehen auf ihrem Speiseplan.

Im Jagdjahr 2016/2017 wurden bundesweit 134.098 Waschbären getötet – so viele wie noch nie zuvor. Noch vor 10 Jahren lag die Zahl bei 24.800 Tieren. Dennoch wächst die Population. Das Problem: Die Tiere reagieren mit einer erhöhten Fortpflanzung auf die Bedrohung. Je mehr Tiere getötet werden, desto mehr Jungtiere kommen zur Welt, wodurch Verluste ausgeglichen und sogar übertroffen werden.

Die Staupe ist eine Viruserkrankung, die seit Jahrhunderten bei Haushunden bekannt ist. Kennzeichnend für die Erkrankung sind hohes Fieber und Abgeschlagenheit. Je nach befallenem Organsystem können Durchfall und Erbrechen oder Atemwegssymptome auftreten. Im weiteren Verlauf kann es zu einer Schädigung des Gehirns mit zentralnervösen Erscheinungen kommen.

So gefährlich ist Staupe
Die Viruserkrankung verläuft tödlich und war einst die verlustreichste Hundekrankheit in Deutschland. Wildtiere wie Fuchs, Dachs, Waschbär und Steinmarder sowie Haustiere wie Hunde und Katze werden durch Staupe gefährdet. Der einzige Schutz gegen diese tödliche Viruserkrankung ist eine Impfung.

Anzeichen beim Waschbären
Koordinationsstörungen, mangelnde Scheu und Veränderung der Netzhaut.

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