Antworten auf Ihre Fragen

Der Ministerpräsident zu Gast

Foto: Thüringer Staatskanzlei
Foto: Thüringer Staatskanzlei
Unser Ministerpräsident Bodo Ramelow hat Ihre Fragen zur Corona-Krise beantwortet.

Bodo Ramelow ist am Montag, den 11. Mai, bei uns zu Gast gewesen und hat Ihre Fragen beantwortet.

Auch Bildungsminister Holter, war bei uns zu Gast und hat Ihre Fragen beantwortet. Hier gibt es das Interview.

Bodo Ramelow zu Gast

Ihre Frage zur Corona-Krise
Bodo Ramelow zu Gast im Studio EINS mit Jens May

Wir haben für Sie unseren Ministerpräsidenten eingeladen. Ihre Fragen konnten Sie per E-Mail und Telefon direkt stellen.

 

Foto: Minsterpräsident Bodo Ramelow im Studio 1 mit Jens May aus Guten Morgen Thüringen.

Mit wie viel Sorge blicken Sie auf die inzwischen bundesweit bekannten Landkreise Sonneberg und Greiz wegen der hohen Corona-Fallzahlen?

Bodo Ramelow: "Wir haben es in 15 Alten- und Pflegeheimen. In einem Fall ist es von einem Pfleger selber hineingetragen worden, der seine krebskranke Mutter besuchen wollte. Wir haben es auch in einer Justizvollzugsanstalt. Da war es der Anstaltsarzt und die Nummer Null, die wir in Thüringen hatten, war ein 33-jähriger Arzt, der aus Ischgl/Österreich vom Skiurlaub zurückkam.

Das heißt, in 15 Pflegeeinrichtungen sind wir gerade damit konfrontiert. Das Größte davon ist das Alten- und Pflegezentrum in Zeulenroda. Das wird immer als Landkreis Greiz abgehandelt. Alle denken, die Stadt Greiz ist gemeint. In Wirklichkeit ist die Hälfte des gesamten Geschehens allein in Zeulenroda in einem Objekt und dort haben wir eine Massentestung veranlasst. Systematisch werden diese Menschen Woche für Woche erneut getestet. Ich weiß, im Landkreis Greiz wird es sogar noch einen Anstieg geben, aber dieser Anstieg bedeutet nur, dass die Dunkelziffer sichtbar wird.

Entscheidend ist, dass wir jeden, der positiv getestet ist, anschließend so nachverfolgen, dass er mit Uninfizierten nicht in Berührung kommt. Wir lassen auch solche Menschen arbeiten. Also ein Arzt, der Virusträger ist, in einer Abteilung arbeitet, in der nur Viruserkrankte behandelt werden, stellt kein Problem dar, weil man sich nicht noch einmal gegenseitig anstecken kann. Deswegen müssen wir darauf achten, dass ein Infizierter mit einem Nichtinfizierten nicht mehr in Berührung kommen darf. Das ist die mechanische Trennung. In Greiz ist sie mittlerweile mit dem Krisenstab vor Ort gut aufgebaut. Die Nachverfolgung findet dort sehr deutlich statt und in Sonneberg sind wir gerade dabei, das zu machen. Wir haben veranlasst, in Zukunft die Alarmmeldung nicht mehr bei 50 Neuinfizierten an 7 Tagen pro 100.000 Einwohner zu machen, sondern wir haben den deutschlandweiten Alarmwert in Thüringen auf 35 gesenkt.

Wir sagen, in jedem Landkreis und jeder kreisfreie Stadt, in der so etwas passiert, wird sofort ein Sondermonitoring-Bericht gemacht, ein Sonderstab eingerichtet und wird gezielt dort gearbeitet, damit wir uns nur noch um diese Orte kümmern und an dem Ort wiederum um die Einrichtung. Die betroffene Einrichtung wird dann unter Quarantäne gestellt, Mitarbeiter und Bewohner gezielt zu Kontakten oder Aufenthaltsorten befragt."
 

Wie stehen Sie zur einer Impfpflicht bei/gegen COVID-19?

Bodo Ramelow: "Ich habe von einer Impfpflicht noch nie etwas gehört. Es wird nur behauptet, einfach in die Welt gesetzt, dass eine Impfpflicht vorbereitet werden würde. Gegen das Coronavirus, also Sars-CoV-2, gibt es derzeit weder ein Medikament, noch einen Impfstoff. Würde es einen Impfstoff geben, muss man diesen erst einmal über eine lange Testreihe mit Menschen ausprobieren. Zu diesen Testreihen haben sich viele Menschen freiwillig bereit erklärt. Ob ich mich dazu freiwillig bereit erklären würde, weiß ich gar nicht. Ich bin mittlerweile mit 64 Jahren auch in einer Altersgruppe, wo ich nicht so genau weiß, wie mein Körper darauf reagieren würde. Ich weiß aber, wenn ich Sars-CoV-2-Träger wäre, würde ich mich sehr sorgsam verhalten.

Ich bin jetzt vier Mal auf der Trackingliste gewesen, auf einer Liste der Nachverfolgung. Vier Mal befand ich mich in der Situation, möglicherweise in Quarantäne gehen zu müssen. Die Bundeskanzlerin war in Quarantäne. Sie hat sich drei Mal testen lassen, um zu klären, ob sie Trägerin des Virus ist oder nicht. Ich finde, diese Dinge sollten für jeden Menschen gleichermaßen gelten. Achtsamkeit, Vorsicht, aber nicht mit falschen Behauptungen. Wenn es einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 geben sollte, wird er noch lange nicht so serientüchtig sein, dass es tatsächlich auch nur ansatzweise zu einem Impfzwang käme. Mit gesundem Menschenverstand lässt sich feststellen, dass das nur falsche Behauptungen sind. Den Impfzwang von Kinderschutzimpfungen wie Masern mit diesem Thema zu vermischen, das halte ich für sehr gefährlich".
 

Kontaktverbot: Wenn sich ab 13.05. wieder zwei Haushalte treffen dürfen, können sich auch befreundete Kinder treffen?

Bodo Ramelow: „Wenn sie den beiden Haushalten angehören, dann selbstverständlich. Das Entscheidende bei dieser Regelung soll ja sein, dass wir die Nachverfolgbarkeit klar haben. Was wir nicht wollen, ist eine große Ansammlung von Menschenmengen, die am Ende dazu führt, dass man nicht mehr nachverfolgen kann, in welcher Gruppe ein Virusträger gewesen ist. Kinder aus zwei Familien, die wechselseitig miteinander spielen, wenn sie in zwei Haushalten leben, wären eine schöne Lösung, weil man sich so auch unterstützen könnte."
 

Eine Hörerin fragt, ob sie ab 13.05. ihre Tochter in Hannover wieder besuchen darf oder die Tochter sie.

Bodo Ramelow: "Für Thüringen kann ich sagen: Ja, der Besuch in Thüringen kann stattfinden. Ob Sie aber den Besuch in Hannover machen können, das weiß ich nicht. Ich habe den aktuellen Stand nicht, wie das Land Niedersachsen die Dinge geregelt hat. Jedes der Länder hat unterschiedliche Regelungen."
 

Ein Hörer kann seinen schwerkranken Vater nicht im Krankenhaus besuchen. Er glaubt, die Menschen in Kliniken und Pflegeheimen sterben an Vereinsamung.

Bodo Ramelow: "Ja, das ist bedauerlicherweise richtig. Aber auch da noch mal der Hinweis: 15 Alten- und Pflegeheime bei uns in Thüringen haben das Virus hineingetragen bekommen. Dort findet gerade eine Situation statt, die tatsächlich dazu führt, dass die Sterblichkeitsrate steigt. Man nennt das „Übersterblichkeit". Hier vergleicht man statistisch die Daten vom Vorjahr oder der letzten zehn Jahre. Wir erleben gerade einen Anstieg.

Wir haben aber, und da hat der fragende Hörer Recht, jetzt eine Regelung getroffen. Da wir am Anfang nicht genügend Schutzmaterial hatten, haben wir dort in solchen sensiblen Einrichtungen wie Kliniken oder Altenheimen ein Besuchsverbot erlassen müssen. Jetzt verfügen wir über genügend Schutzausrüstung, sodass jeder Patient eine bestimmte Person festlegen kann, die regelmäßig zum Besuch kommt. Allerdings unter den gleichen Sicherheitsstandards wie sie auch für das ärztliche und medizinische Personal gelten."
 

Das Interview zum Nachhören:

Erster Teil: Lockerungen, Grippe vs. Corona, 35 statt 50 Fälle pro 100.000 Einwohner und die Konsequenzen.

Zweiter Teil: Demo gegen Corona & Kemmerich. Impfpflicht. Kontaktverbot - wen darf ich ab Mittwoch treffen? Warum Fußball, aber nicht Kinder auf dem Spielplatz? Kliniken und Pflegeheime - Sterblichkeitesrate.

Dritter Teil: Hochzeiten und andere Familienfeste. Kitas - wann wird berufstätigen Eltern geholfen? Einschulungen - werden Feiern möglich? Wann dürfen Fahrschulen wieder öffnen? Hallenbäder bleiben zu - Freibäder machen unter Auflagen am 01.06. auf. Freizeitparks - welche dürfen öffnen und welche nicht? Förderprogramme für Veranstalter?

Vierter Teil: Wann kommen "normale" Probleme wie z.B. Unterrichtsausfall wieder auf die Tagesordnung?

Thüringen senkt Alarmwert von 50 auf 35? Was bedeutet das?

In Thüringen gelten strengere Regeln als im Rest von Deutschland. Statt einer Obergrenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner hat der Freistaat den Alarmwert, also dann, wenn regional wieder beschränkt werden soll, auf 35 gesenkt. Das ist am Wochenende entschieden worden.

Wird der Alarmwert überschritten, wird sich gezielt um die Einrichtung, den Ort gekümmert. Das bedeutet aber nicht automatisch Quarantäne für den ganzen LK.

Das könnte Sie auch interessieren

Fotos