Antworten auf Ihre Fragen

Bildungsminister zu Gast

Helmut Holter stellt sich Ihren Fragen.
Helmut Holter stellt sich Ihren Fragen.
Thüringens Bildungsminister hat Ihre Fragen zur Corona-Krise beantwortet.

Bildungsminister Helmut Holter war am Mittwoch, den 13.05., bei uns zu Gast und hat Ihre Fragen beantwortet.

Bildungsminiter Helmut Holter im Interview, Foto: Redaktion

Wir haben für Sie unseren Bildungsminister Helmut Holter eingeladen. Ihre Fragen per Telefon, WhatsApp und über die Webseite haben wir gestellt.

Foto: Bildungsminister Helmut Holter im Interview mit Luisa Gerlach aus der ANTENNE THÜRINGEN Nachrichtenredaktion.

Erster Teil: Ihre Fragen zu den KITAs.

"Die Regierung möchte es ermöglichen, dass Kindergärten wieder ab dem 18. Mai in den eingeschränkten Regelbetrieb übergehen. Heißt, dass es nicht vollzeitmäßig umgesetzt werden kann. Da muss es ein Regime in der jeweiligen Kita geben."
Bianca aus Zella-Mehlis fragt: Ich arbeite im Gesundheitswesen in Bayern, mein Mann ist Handwerker in Thüringen - selbstständig - er kann also nicht von Zuhause aus arbeiten. Unsere Kinder dürfen aber nicht in die Notbetreuung. Ich weiß nicht, wie es weiter gehen soll. Haben Sie einen Rat?

 

"Notbetreuung war eine Maßnahme, um Kinder in der Kita bzw. in der Schule zu betreuen, dessen Eltern einen systemrelevanten Beruf haben - wie auch Bianca als Krankenschwester.
Jetzt, wo wir in den eingeschränkten Regelbetrieb übergehen, würde die Notbetreuung wegfallen. Es muss ein Regime aufgebaut werden, dass die Kinder betreut werden können. Nur werden sie nicht die ganze Woche durchgängig betreut werden können. Man muss also ein Wechselsystem kreieren, um sowohl die Betreuung und die Bildung zu ermöglichen. Aber auch, dass die Eltern ihrer beruflichen Tätigkeit nachgehen können. Es bleibt bei Einschränkungen. Darauf müssen sich alle einrichten."

"Die Einrichtungen und die Leiter/innen mit Erzieher/innen haben sich auf die Notbetreuung eingestellt, haben alle Kriterien, die wir vorgegeben haben, umgesetzt und haben es mit großer Hingabe realisiert. Dafür möchte ich mich bedanken.
Wir von der Regierung haben entschieden schrittweise in eine normale Regelbetreuung überzugehen. Auch hier gibts zwei Seiten: Den einen geht alles zu schnell, den anderen viel zu langsam. Wenns nach mir gehen würde, und das Infektionsgeschehen gegen null geht, dann würde ich sagen, wir machen jetzt alle Kitas und Schulen auf. Da sind wir aber noch nicht. Wir müssen weiter verhindern, dass sich das Virus ausbreitet.
Wir haben bisher viele Vorgaben gemacht. Aber jetzt sagen wir nur noch eins: Es müssen feste Gruppen sein! Die müssen einen konstanten Raum haben und sie brauchen konkrete Bezugspersonen, heißt, Erzieherinnen müssen bei ihrer Gruppe bleiben und die jeweiligen Kindergartengruppen sollen sich nicht auf dem Flur oder auf dem Spielgelände treffen. Dass Kinder keine Abstände einhalten, ist klar. Das geben wir auch nicht vor, wir sprechen Empfehlungen aus, nach denen das jeweilige Konzept im jeweiligen Kindergarten auch entwickelt werden kann."
"Es ist immer noch Corona-Zeit! Deswegen fahren wir die Schulen systematisch hoch, in dem wir mit den oberen Klassen angefangen haben, die jetzt ihre Prüfungen machen. Wir haben diese Woche die vierten Klassen in die Grundschulen geholt, die dritten kommen hinzu. Wir wollen erreichen, dass zum 2. Juni auch jeder Schüler und jede Schülerin bis zum Schuljahresende am 17. Juli die Schule regelmäßig wieder besucht."
Ines aus Pößneck fragt: Kitas sollen schon ab Montag eingeschränkt öffnen. Was heißt eingeschränkt und woher weiß ich, wann und in welchen Umfang mein Kind betreut werden kann?

 

"Keine Kita SOLL ab Montag in den eingeschränkten Regelbetrieb übergehen. Wir schaffen mit dem Beschluss die Möglichkeit, dass eine Kita / ein Kindergarten in den eingeschränkten Regelbetrieb übergehen kann. Meint: Es gibt kein Datum, das die Landesregierung vorgibt, sondern das vor Ort ein Konzept entwickelt werden muss, wie der eingeschränkte Regelbetrieb erfolgen kann. Es heißt einfach, dass nicht alle Kinder zur gleichen Zeit in einer Einrichtung sind. Es gibt Kriterien, die einzuhalten sind, wie: die Kinder, die in einer Kindergartengruppe sind, müssen immer die gleich sein. Das gilt auch für Raum und Erzieher."

Zweiter Teil: Ihre Fragen zum Thema Schule.

Wie werden Abstand, Hygiene, Mundschutz in Schulen oder speziell auch beim Sportunterricht kontrolliert, fragt Thomas aus Weimar.

 

"Das ist erst einmal sozusagen Selbstkontrolle und da muss natürlich der Lehrer, die Lehrerin, auch darauf achten, dass entsprechend der Mundschutz, Mund-Nasen-Bedeckung heißt es ja richtig, dann auch getragen wird. Wir haben jetzt gesagt, dass für die Schulen der Abstand von einem Meter 50 entscheidend ist im Klassenraum. Daraus errechnet sich dann die Anzahl der Schülerinnen und Schüler, die sich in dem Klassenraum aufhalten kann. Das hängt von der Größe des Raumes ab. Das führt dann auch dazu, dass es durchaus Lerngruppen geben kann, die zehn Schüler haben. Es kann aber auch Lerngruppen mit 16 Schülern geben. Und wenn es jetzt um die Prüfungen geht und ich habe einen großen Saal, in dem ich dann auch eine große Gruppe von Prüflingen setzen kann, dann kann ich das entsprechend machen, weil die Abstände eingehalten werden.

Was ich nicht möchte, dass im Unterricht Masken getragen werden, weil es einfach eine Einschränkung ist und natürlich nicht notwendig ist, wenn die Hygienestandards wie Abstände, regelmäßiges Lüften eingehalten wird und möglichst die Schülerinnen und Schüler außerhalb des Unterrichts ihren konstanten Klassenraum haben.

Aber es sind Kinder und Jugendliche, die haben eine eigene Dynamik. Da kann man tausend Mal erklären. Aber dann gibt es eben den Moment, was ebenso die Bewegungen auslöst. Das ist mir vollkommen klar.
Deswegen, glaube ich, geht es auch darum, die Aufsicht im wahrsten Sinn des Wortes auszuüben. Und das kann auch realisiert werden, sodass in der Pause auf dem Flur die Maske getragen wird. Aber anderswo außer einem Schulbus die Maske dann nicht notwendig ist.
Oder es gibt eine Konzentration, die möglicherweise nicht zu verhindern ist.

Das Thema Sportunterricht ist ganz, ganz sensibel, weil auf der einen Seite alles, was mit Körperkontakt verbunden ist, weiß ich, geht nicht. Oder andere Geschichten, wo einfach körperlicher Kontakt bei sportlicher Betätigung entsteht, das ist natürlich ausgeschlossen. Dort, wo es um Individualsport im gebotenen Abstand geht - kann der Einzelne, die Einzelne sich sportlich betätigen, ist das immer gegeben.
Aber gerade auch in den Grundschulen werden wir keinen klassischen Sport haben, sondern es wird Bewegung der Kinder geben. Und das wird dann auch in den Schulen konkret umgesetzt. Klar, Kinder werden nicht stundenlang nur auf ihrem Stuhl sitzen und darauf warten, dass der Unterricht zu Ende geht. Sie brauchen Bewegung? Ist ja ganz klar. Und das muss auch entsprechend organisiert werden. Das machen die Lehrerinnen und Lehrer auch. Davon gehe ich aus. Das ist immer die Verantwortung vor Ort, wie die Regeln, die aufgestellt wurden, dann auch im Einzelnen umgesetzt wird.

Ich habe inzwischen auch gelernt und wahrgenommen, dass auch Kinder sehr wohl aufnehmen und begreifen, was zulässig ist und was nicht zulässig ist. Sie sind also sehr diszipliniert im Umgang mit den neuen Regeln, die sie sehr schnell angenommen haben."

Ich kenne es noch aus meiner eigenen Schulzeit, nennen wir es DDR-Charme, auf den Toiletten. Ich glaube, das gibt es auch heute noch in vielen Schulen. Sind Sie überhaupt dafür ausgestattet, die Bestimmungen einzuhalten? Desinfektionsmittelspender, Papierhandtücher wie auch immer.

 

"Ich kenne die Schule, die neu gebaut wurde und auf dem modernsten Stand ist, mit allen Bedingungen, einschließlich der Sanitärtrakte, sprich der Toiletten. Ich kenne aber auch die Schulen, die den Charme der 1960er der 70er Jahre haben, auch noch genau in diesem Zustand sind.
Da haben wir eine Situation, dass es in den Schulen, die voll saniert sind und auf dem modernen Stand. In den anderen Schulen ist der Schulträger natürlich angehalten, die Bedingungen zu schaffen. Bei Schulen gibt es ja eine doppelte Verantwortung. Die Verantwortung des Freistaates. Ich als Bildungsminister bin ja dann der Dienstherr für die über 20.000 Beschäftigten an Schulen und die Schülerinnen und Schüler sowieso.
Aber die andere Seite sind eben die Schulträger, die Landkreise, Gemeinden, die für die technische Ausstattung, also für die Gebäude, Situation für das, was in den Toiletten ist. Dass das jetzt umgesetzt wird, da sind jetzt Maßnahmen eingeleitet worden, dass die Seifenspender, die auch für die Desinfektionsmittel da sind, aber auch die Papiertücher vorhanden sind."

"Das läuft privat. Es ist jeder selbst verantwortlich für seine Maske. Ich stelle auch fest, dass viele Schülerinnen und Schüler mit den Masken in die Schule kommen. Dann sind wir wieder bei Kindern, und da geht auch mal eine Maske verloren. Deswegen haben wir an die Schulen, als es losging mit den Masken, einen Satz Masken bereitgestellt, dass man dann auch nicht vom Schulgelände verwiesen wird, weil man keine Maske dabei hat. Für mich ist der Anspruch, das Recht auf Bildung, das höhere Recht als die Maskenpflicht umzusetzen.
Da machen wir die entsprechenden Voraussetzungen, dass niemand aus diesem Grund nicht am Unterricht teilnehmen kann."
Diana aus Gotha ist Lehrerin an einem Gymnasium und macht sich Sorgen um die Klassen. Sie müssen innerhalb weniger Wochen ihre Notenpflicht nachholen, damit die Voraussetzung für den Abschluss von 11 II erfüllt werden. Dabei wird kaum Rücksicht auf das Homeschooling genommen, weil die Lehrer ja wissen, was sie bis 12 2 alles noch lernen müssen. Wären da Erleichterungen fürs Abi nächstes Jahr nicht auch schon nötig oder möglich?

 

"Diana hat recht. Sie hat die Situation genau beschrieben für diejenigen, die es nicht wissen. Beim Abitur ist es so, dass sie vom ersten Schulhalbjahr der elften Klasse über die ganze Zeit bis zum Abitur Leistungspunkte für ihr Abiturzeugnis ansammeln. Nun ist das zweite Halbjahr der elften Klasse unter Coronabedingungen durchgeführt worden mit dem Lernen zu Hause.
Deswegen habe ich mich entschieden, dieses Zweite zu verlängern. Da greift das Schulgesetz und wir können es bis in den Herbst hinein führen, was dann Auswirkungen hat auf die 12 I und die 12 II, aber um den Stoff und auch die Leistungspunkte in der 12. Der Stoff aus 11 II wird auch wirklich voll umfänglich erarbeitet und damit ist die Frage beantwortet."

Wirkt sich das dann auch auf 12 I und 12 II aus?

"Gehen wir davon aus, dass wir im nächsten Schuljahr wieder in einem normalen Rhythmus sind. Das kann ja heute noch keiner so richtig voraussagen. Aber ich habe den Optimismus, dass wir das hinbekommen. Da muss man bei der Lernenplangestaltung in der 12, 1 und 2 darauf achten, dass man das auch in komprimierter Form vermitteln kann, um dann auch rechtzeitig zur Prüfung vorbereitet zu sein."

David aus Schmalkalden hat einen anderen Vorschlag, er hat drei schulpflichtige Kinder. Und er schlägt vor, dieses Schuljahr als nicht existent zu erklären und mit dem neuen Schuljahr noch mal neu anzufangen. Wie sehen Sie das?

 

"Na ja, das war ja nicht nur ein Vorschlag, den David macht. Der Vorschlag ist von verschiedenen Menschen an das Ministerium, auch an mich, herangetragen worden. Wie gehen wir mit dem Schuljahr generell um? Ist das jetzt ein verlorenes Schuljahr? Und alle Schülerinnen und Schüler holen das nach? Das sehen wir jetzt im Ministerium nicht so.
Das würde auch erhebliche Probleme mit sich bringen. Auf der einen Seite haben wir natürlich das erste Schulhalbjahr voll absolviert. Wir haben auch bis zum 17. März, gut einen Monat nach den Winterferien, normal gearbeitet. Und wir haben auch das Lernen zu Hause gehabt. Ist ja nun nicht so, dass da nichts gelernt wurde. Ist das ein anderes, ein anderer Unterrichtes, als wenn er jetzt in der Schule stattgefunden hat, ist auch jedem klar.
Deswegen arbeiten wir ja auch so, dass dieser Präsenzunterricht bis zum Schuljahresende möglichst oft auch in der Schule für jeden Einzelnen stattfinden kann. Wenn wir jetzt beispielsweise die zehnte Klasse wiederholen würden oder nur eine Klasse wiederholen, dann wird es da hinten einen Stau geben. Das liegt einfach an den Abläufen der Schule.
Der Schulbetrieb ist dann eine sehr, sehr komplizierte Situation, weil auch Räumlichkeiten und Lehrerschaft gerade in dem Maße zur Verfügung stehen müssen. Deswegen ist es zwar ein Vorschlag, der schon mehrfach gemacht wurde, aber es auf der einen Seite inhaltlich nicht notwendig und auf der anderen Seite praktisch ganz schwer umsetzbar."

Gabriele aus Altenburg ist Klassenlehrerin einer zehnten Klasse und nebenbei noch Mathelehrerin. Sie fragt, wie das mit den Realschulprüfungen ablaufen soll. Sieben Wochen Homeschooling und jetzt Präsenzunterricht reichen nicht zur Prüfungsvorbereitung. Was sagen Sie?

 

"Ja, auch das haben wir intensiv diskutiert. Mein Anspruch war ja, dass alle, die eine Prüfung machen, ob es das Abitur ist oder auch all die anderen Prüfungen ausreichend Vorbereitungszeit haben. Dass das zur Einschränkung führt, das ist jedem klar. Wir haben uns dazu entschieden, bestimmte Modifizierungen vorzunehmen.
Das heißt, wir specken die Prüfungen ab. Wir haben ja für die besondere Leistungsfeststellung schon gesorgt, dass es dort weniger Prüfungen gibt. Und wir reduzieren die Realschulprüfung um eine schriftliche Prüfung und den qualifizierten Hauptschulabschluss, um eine mündliche Prüfung, was hoffentlich dann zu einer Entlastung führt."

Ich habe superviele Fragen zur BLF bekommen, also der besondere Leistungsfeststellung. Seit gestern läuft ja auch eine Petition dazu aus Bad Sulza – keine BLF wegen Corona. Was halten Sie davon?

 

"Na ja, Thüringen ist ja einen besonderen Weg gegangen. Wir sind ja das einzige Bundesland, welches diese besondere Leistungsfeststellung in der zehnten Klasse am Gymnasium durchführt. Da muss man an Gutenberg erinnern. Der Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium damals hat ja dazu geführt, dass die Frage beantwortet werden musste, wenn jemand das Gymnasium verlassen will, aus welchen Gründen auch immer, hätte er keinen Schulabschluss.
Damals ist aus guten Gründen diese besondere Leistungsfeststellung eingeführt worden. Dass jemand, der nach der zehnten oder nach der elften Klasse das Gymnasium verlässt, dann auch einen qualifizierten Schulabschluss hat, mit einem Zeugnis für seine Bewerbung entweder bei einer Ausbildung.
Wir haben die besondere Leistungsfeststellung im Schulgesetz stehen. Das Schulgesetz zu ändern funktioniert nicht. Selbst wenn Einzelne dafür wären, bräuchte ich eine parlamentarische Mehrheit. Da kann ich hier verraten, das habe ich mal erkundet, wie man so schön sagt. Ich habe mit Fraktionen darüber gesprochen. Es gibt dafür keine Mehrheit. Also bekommen wir keine parlamentarische Mehrheit, selbst wenn ich es wollte.
Deshalb modifizieren wir die BLF und es werden weniger Prüfungen, als es in den vorangegangenen Jahren waren. Und diese Voraussetzungen kann ich mit der Schulordnung schaffen. Das ist eine Sache, die ich mehr oder weniger im Ministerium alleine regeln kann. Die 10. Klasse am Gymnasium sollte sich keine Sorgen machen, sie schaffen ihre Prüfung. Davon bin ich überzeugt."

Nancy aus Leimbach – ihr Sohn besucht die elfte Klasse am Gymnasium für Mathematik und Naturwissenschaften in Erfurt. Er lernt seit Wochen zu Hause. Aber wer garantiert ihm, bis Ende des Halbjahres genügend Punkte für das Abitur sammeln zu können? Und dass der in den letzten Wochen in Eigenregie behandelten Stoff nicht gerade der ist, der im nächsten Jahr bei den Abiturprüfungen relevant ist?

 

"Andere Länder machen folgendes in Coronazeiten wurden die Schulen geschlossen und dann ging es wieder los, mit denjenigen, die das Abitur machen wollen und am ersten Tag darauf waren gleich wieder Prüfung angesagt. Das funktioniert nicht. Deswegen haben wir gesagt in Thüringen müssen mindestens vier Wochen Zeit sein, um sich auf die Prüfung vorzubereiten.
Deswegen werden jetzt, am 18. die Abiturprüfungen beginnen. Und wir haben ja dann auch am 27. April die Schulen entsprechend geöffnet für die Abiturienten, um sie vorzubereiten. Derzeit ist es jetzt auch möglich, teilweise auch notwendig, wie bei dem jungen Mann dort noch Leistungspunkte zu erwerben, und das noch Kursarbeiten und andere Dinge an den Schulen realisiert werden.
Aber eins ist auch klar: Es darf nur geprüft werden, was auch im Unterricht behandelt wurde. Und deswegen ist es wichtig, dass wir diese Vorbereitungszeit haben drei bis vier Wochen, um also auch noch bestimmten Stoff im Unterricht, in einer Konzentration zu behandeln, zu vertiefen, auch sozusagen zu prüfen, wie eine Prüfung aussieht. Und die Klausuren, die möglicherweise noch geschrieben werden, wenn sie denn geschrieben werden, wird ja vor Ort entschieden, sind natürlich auch eine perfekte Prüfungsvorbereitung, um dann auch die Abiturprüfung bestehen zu können.
Die Sorgen würde ich allen nehmen. Es wird an den Schulen sehr verantwortungsbewusst damit umgegangen, damit auch die Abiturprüfung top vorbereitet wird."

Eine andere Frage von Christina aus Erfurt. Sie fragt, was passiert, wenn es Corona-Fälle in den Schulen gibt. Wenn es in einer Klasse oder wenn ein Lehrer positiv getestet wird, was dann?

 

"Das ist schlecht für diejenigen, die sich mit Corona infiziert haben. Und dann tritt sofort in Kraft, dass diese Schüler sich erst einmal isolieren müssen. Das heißt Quarantäne. Das Gesundheitsamt muss entscheiden, ob die Schule ganz geschlossen wird. Das bedeutet eine Unterbrechung. Ganz klar. Dann kann man wieder sagen, wenn er jetzt keine schwerwiegenden Symptome hat, kann man wieder zu Hause lernen. Das wird natürlich praktiziert.
Aber wir haben nicht nur einen Termin für die Prüfung, sondern wir haben einen zweiten und einen dritten Nachschreibetermin. Das haben wir alles getaktet. Und wenn jetzt jemand aufgrund von Corona eine Prüfung nicht machen kann, dann regeln wir das auch. Niemand soll aufgrund von Corona seinen Schulabschluss nicht machen können."

Thema Klassenfahrten. Bettina aus Nordhausen - Sie betreut eine zehnte Klasse und fragt ganz konkret: Wann kommen die Stornogebühren für die Klassenfahrt? Die Eltern fragen danach.

 

"Klar, wir haben gesagt, dass alle Klassenfahrten und alle Veranstaltungen zum Lernen am anderen Ort oder andere Ausflüge, die eine Schulklasse einfach unternimmt, was Unterricht in anderer Form bedeutet. Da haben wir gesagt, die unabweisbaren Kosten dafür übernimmt der Freistaat sowohl an den Schulen in freier Trägerschaft als auch an den staatlichen Schulen. Wir haben jetzt die Grundsätze für die Finanzierung dieser Übernahme der unabweisbaren Kosten finalisiert, heißt es so schön. Unsere Richtlinie, wie das Geld ausgezahlt ist, ist gerade heute fertig geworden. Und es geht los, dass dann die Gelder auch ausgezahlt werden können. Dazu ist es notwendig, dass Anträge gestellt werden. Es gilt also auf Basis eines Antragsverfahrens. Kann dann dieses Geld entweder ausgezahlt werden oder direkt an den Reiseveranstalter gegeben werden, damit dann der seine Kosten, seine Stornokosten erhält. Da haben wir ein Verfahren bestimmt, und dann geht es los."

Ganz konkrete Frage zum Thema Homeschooling. Mandy aus Probstzella hat ein Problem, weil sie eine ganz schlechte Internetverbindung und auch nur ganz schwachen Handy-Empfang hat. Wie soll dann Homeschooling funktionieren?

 

"Das ist nicht nur ein Schulproblem, das betrifft ja viele, die in der Ecke dort leben. Natürlich ein Ärgernis. Sie haben recht. Es geht ja nicht nur um Homeschooling, sondern es geht ja auch überhaupt um die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Ein großer Teil läuft nun tatsächlich übers Internet. Hier rächt sich, dass wir in Deutschland generell, aber auch in Thüringen nicht in dem Tempo unsere Gesellschaft, unser Land digitalisiert haben, wie es 2008 versprochen war.
Also wir reden seit 2008 darüber, dass flächendeckend ein schnelles Internet in Deutschland aufgebaut wird. Es ist ja bis heute nicht passiert. Da haben wir die Probleme. Ich habe ja gedacht, dass wir dort, wo es kein schnelles Internet gibt, über Funkverbindungen das digitale Lernen ermöglichen können.
Aber es gibt in der Gegend, in der die Schülerin wohnt, natürlich ein riesiges Problem. Da können wir nur über entsprechende analoge Verfahren, sprich das übliche Papier bedrucken, weitergeben, schicken und dann wieder zurückschicken und zurückgeben, arbeiten."

Das ist jetzt durch Corona deutlich geworden, dass unsere Schulen noch so analog sind. Oder sind unsere Schulen noch zu analog?

 

"Unsere Schulen sind analog, das ist so. Und wir haben Schulen, die sind digitalisiert, die sind auch top drauf. Unsere Strategie war ja, dass wir mit 20 Pilotschulen auch allen anderen die Möglichkeit zum Abgucken geben wollen. Wir wollten mit den Pilotschulen, alle anderen, die sich digitalisieren wollen, einladen und zeigen, wie sie es machen können.
Nur dass durch die Corona-Zeit ein richtiger Druck auf die Digitalisierung gekommen ist. Nun gibt es zwar im Moment eine gutes Homeschooling. Setzt voraus, dass jede Schülerin, jeder Schüler ein mobiles Endgerät hat, um am digitalen Unterricht teilzunehmen.
Die Bundesregierung will Geld für die Anschaffung mobiler Endgeräte bereitstellen. Das haben wir jetzt, die Bildungsminister der Länder, mit dem Bund verhandelt. Dieses Geld kommt. Das würde für Thüringen 26.000 Geräte bedeuten. Die Geräte werden dann über die Schulen, an die Schülerinnen und Schüler gegeben. Das wird noch ein bisschen dauern, weil diese fünf Millionen muss der Bundestag noch genehmigen. Die Gelder müssen verteilt werden.
Aber spätestens zu Beginn des Schuljahres 20/21 werden wir dann die Möglichkeiten haben, um auch diese Geräte dann an die bedürftigen Schülerinnen und Schüler herausgeben zu können."

Alexandra aus Sprötau fragt, ob sie damit rechnen kann, dass ihr Sohn in der sechsten Klasse dieses Jahr überhaupt noch in die Schule gehen kann?

 

"Ja, jeder Schüler, jede Schülerin soll in diesem Schuljahr an Präsenzunterricht teilnehmen. Jede Schule baut dafür ihr Konzept und sagt auch jedem Schüler, jeder Schülerin und damit auch den Eltern, wann die Kinder in der Schule sind um dann auch entsprechend, sich darauf einstellen zu können."

Thema Schuleinführung - große Feste sind ja erst mal verboten, auch im Familienkreis. Können Kinder damit überhaupt rechnen, eine Schuleinführung mit Eltern und Großeltern feiern zu dürfen?

 

"Klar soll man die Einführung feiern können, da gibt es ja zwei Momente. Im ersten Moment ist die Einweihungsfeier in der Schule selbst, sprich der Samstag, an dem die Schüler begrüßt werden. Die werden jetzt nicht mehr in der Größenordnung sein können, dass viele, viele Menschen zusammenkommen, sondern es wird sicherlich eine Begrenzung geben. Wie viele Schülerinnen und Schüler mit wie viel Begleitpersonen Eltern, Geschwistern, Oma, Opa noch einmal kommen können, das ist heute oft zu früh festzulegen. Mit der Verordnung, die die Regierung jetzt verabschiedet hat, gibt es ja klare Regeln. Aber solche Feste sind im Moment nur schwer durchführbar. Deswegen bleibt es abzuwarten, wie sich die Infektionen weiterentwickeln und ob es weitere Lockerung gibt, die ich mir wünsche, dass man dann auch klassisch wieder an eine schöne Schuleinführung machen kann.
In der Familie ist es gleichermaßen. Wir haben es gesagt in der Verordnung, die die Regierung verabschiedet hat, dass sich nicht nur die Menschen, die in einem Haushalt leben, treffen können, sondern auch Menschen aus zwei Haushalten. Und damit war schon klar gesagt worden, dann können eben nicht alle Verwandten zur Schule kommen. Das ist eine Einschränkung, das muss man hinnehmen. Das betrifft übrigens auch Hochzeiten und andere Familienfeiern, wo es dann ganz klare Begrenzungen gibt.
Aber wir sind ja alle optimistisch, und bis zur Einweihung ist ja noch ein bisschen hin. Vielleicht gibt es ja noch die Möglichkeit, dass das dann noch wieder erweitert wird und wir doch tatsächlich viele, viele Mädchen und Jungen in die Schule begleiten können."

Dritter Teil: Der Themenkomplex Sport.

Bodo Ramelow zu Gast. Am Montag war der Ministerpräsident bei uns und Sie konnten ihm direkt Ihre Frage stellen. Das Interview hören Sie hier

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