Fußball-Star Marcus Urban im Thüringen Talk

Schluss mit den Versteckspielen

Marcus Urban ©  Verein für Vielfalt in Sport & Gesellschaft
Marcus Urban © Verein für Vielfalt in Sport & Gesellschaft
Autor: Lisa Schirmer | Datum: 12.05.2017
Über seinen Lebensweg und seine Homosexualität spricht er mit unserer Reporterin Bettina Ehrlich.

Er hätte einer der ganz Großen werden können. Der gebürtige Weimarer Marcus Urban entdeckte schon früh seine Leidenschaft zum Fußball. Sehr schnell erkannten die Trainer sein Talent und er kam auf die Kinder- und Jugendsportschule nach Erfurt. Ende der 90er Jahre stand er als Jugendspieler bei Rot-Weiß-Erfurt kurz vor dem Sprung in die zweite Bundesliga. Doch mit einem Mal konnte er nicht mehr. Er war ausgebrannt und leer vom jahrelangen Versteckspielen. Denn geahnt hatte er es schon lange, sich aber nie getraut, es sich einzugestehen: schwul zu sein.

Inzwischen lebt Marcus Urban in Berlin, hat einen Partner und spielt leidenschaftlich Fußball bei Hertha BSC in der Ü 40 Mannschaft (Alte Herren). Dort funktioniert das prima, weil er von Anfang an mit offenen Karten gespielt hat. Doch das war nicht immer so.

Ich bin ein Fußballer, ich bin ein richtiger Mann vom alten Stil, also kann ich nicht schwul sein. So haben wir das ja gelernt als Männer"

Schwul zu sein, war für Marcus Urban immer etwas Negatives. Sogar er selbst hat Gegenspieler als schwul beschimpft, obwohl er doch selbst auf Männer stand.
Unvorstellbar in welcher Notlage dieser junge Mann gewesen sein muss. Irgendwann konnte er nicht mehr. Urban beendete seine Laufbahn als Profifußballer.

"Ich will leben"

In Zeiten der allergrößten Krise packte er die Koffer und zog nach Neapel. Aber auch dort kann er nicht er selbst sein. Erst wieder zurück in Weimar holt er sich professionelle Hilfe. 1994 hatte er dann sein persönliches Coming Out. Bis zum öffentlichen Coming Out sollte es noch 13 Jahre dauern. Kurz darauf entstand dann auch die Biografie mit dem Titel "Der Versteckspieler".

"Wir haben Lösungen parat"

Heute ist Marcus Urban in ganz Deutschland unterwegs und setzt sich für Vielfalt in der Gesellschaft ein. Urban ist Vorstand des Vereins für Vielfalt in Sport und Gesellschaft und Mitgründer des Expertennetzwerkes "Fußball für Vielfalt". Im Moment läuft gerade ein großes Projekt in Thüringen. Als Coach tourt er durchs Land und setzt sich unermüdlich für Vielfalt ein. Dass er so offen über seine Geschichte spricht, hilft vielen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.