Vom Angestellten zum Rummel-Schausteller

Rotwein als Hauptpreis

Rummel-Schausteller Michael Bang vor seinem Kinderkarussel Foto:Redaktion
Rummel-Schausteller Michael Bang vor seinem Kinderkarussel Foto:Redaktion
Autor: ANTENNE THÜRINGEN | Datum: 23.06.2017
Alles begann mit einem selbstgebauten Ring-Wurf-Pavillon - heute ist Michael Bang von den Thüringer Rummelplätzen nicht mehr wegzudenken.

25 Quadratmeter sind für Monate sein Zuhause. Zusammen mit Frau, Tochter und Dackeldame "Hexe" zieht er mit dem Wohnwagen durch Thüringen von Rummel zu Rummel. Dabei hatte Michael Bang sogar mal einen "ordentlichen" Beruf bei der Energieversorgung gelernt. Aber irgendwann packte ihn die Abenteuerlust.

Mitte der 80er Jahre lernte er seine Frau kennen. Damals war Kirmes in Rudolstadt und der Rummel zog ihn magisch an. Noch viel mehr die hübsche schwarzhaarige Frau aus Schlotheim. Dass sie aus einer echten Rummelfamilie stammte, störte Michael herzlich wenig. Ziemlich schnell wurden die beiden ein Paar und auch beruflich ein Team.

Heute zieht die kleine Schaustellerfamilie mit einem Kinderkarussell durchs Land. Dieses Karussell hat kurz nach der Wende so viel wie ein Haus gekostet. Aber Ringewerfen, wie zu DDR-Zeiten, lockte damals eben keinen mehr hinterm Ofen vor. Lustig trotzdem, auf was wir damals beim Rummel so standen. Rosenthaler Kadarka zum Beispiel – dieser zuckersüße Rotwein - war als Preis der Renner. Oder der Weißwein, der im Winter nicht gefror, weil so viel Glykol drin war... Im ganzen Land sind die Bangs damals umhergefahren, um an die "Bückware“ ranzukommen. (DDR-Running-Gag: begehrte Sachen gab es nur unter dem Ladentisch, man musste sich also bücken…)

Nach der Wende dann der große Schritt mit dem eigenen Karussell. In Frankreich bestellt und produziert, leistet es heute noch seine treuen Dienste. Bang kann es inzwischen fast im Schlaf auf- und wieder abbauen.

Den Rummel wird es auch noch in hundert Jahren geben. Sicher nicht so, wie wir ihn heute kennen. Wir müssen auch mit der Zeit gehen.
- Michael Bang

Seinen Schritt zum fahrenden Volk zu wechseln hat er zu keiner Sekunde in seinem Leben bereut. Er wünscht sich, dass seine Tochter die Schausteller-Tradition seiner Familie einmal fortsetzt. Das ist aber einzig ihre Entscheidung.