Gabriele Schweigler im Thüringen Talk

Organspende: Die schwerste Entscheidung des Lebens

Symbolbild Adobe iStock
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Autor: Maribel De La Flor | Datum: 25.09.2017
Gabriele Schweigler aus Leipzig musste die schwerste Entscheidung ihres Lebens treffen.

Es gibt Themen über die möchte man nicht reden und eigentlich auch nicht darüber nachdenken. Über den Tod zum Beispiel oder damit, was mit einem passieren soll. Gabriele Schweigler aus Leipzig ging es da nicht anders. Bis sie plötzlich und ziemlich brutal damit konfrontiert wurde.

Ihre allerbeste Freundin Eva bricht völlig unerwartet zusammen und kommt ins Krankenhaus. Später stellt sich heraus, in der Halsschlagader hat sich ein Blutgerinsel gelöst. Mitten in der Nacht bei stürmischem Wetter fährt Gabriele zu ihrer Freundin ins Krankenhaus. Weil Eva vor Jahren einmal eine Patientenverfügung verfasst hatte, ist plötzlich die beste Freundin in der Verantwortung.
Der Gesundheitszustand von Eva verschlimmert sich und es stellt sich heraus, es gibt keine Rettung mehr. Eva wird für hirntod erklärt. Nur die Maschinen halten die Funktionen ihres Körpers aufrecht. Evas Kinder - sie hat einen erwachsenen Sohn und eine Tochter - kommen ins Krankenhaus. Endlose Gespräche mit den Ärzten, daran erinnert sich mein Gast. "Alle waren verständnisvoll, niemand hat uns gedrängt. Aber irgendwann musste ich eine Entscheidung treffen und ich habe sie getroffen." Evas Organe sollten gespendet werden.

Sie war immer ein Mensch, der gerne gegeben hat, deshalb wusste ich, dass sie selbst auch so entschieden hätte"

Davon war sie felsenfest überzeugt. Damals in diesem Moment.

Niemals aber hätte Gabriele Schweigler mit solchen Reaktionen gerechnet. Freunde warfen ihr vor, den Körper ihrer besten Freundin ausgeschlachtet zu haben. Das hat sie tief getroffen, so tief, dass wenn sie Bekannte in der Stadt sah, auf die andere Straßenseite ging. Wer kümmert sich eigentlich um die Angehörigen von Organspendern? Gabriele fiel in ein tiefes Loch, plötzlich war sie sich ihrer Entscheidung gar nicht mehr so sicher. Erst Gespräche mit anderen Angehörigen und Spendenempfängern holten Gabriele ganz langsam wieder aus dem dunklen Loch hervor. Auch die Arbeit der Deutsche Stiftung für Organtransplantation hat enorm geholfen!", sagt Gabriele Schweigler. Heute engagiert sich Gabriele zusammen mit anderen Betroffenen in ganz Deutschland um die Sorgen und Nöte der Angehörigen von Organspendern. Einfach nur darüber zu reden, kann so gut tun.