Kabarettist Clemens Peter Wachenschwanz im Thüringen Talk

Mach's mit dem Herzen

Kabarettist Clemens-Peter Wachenschwanz © Pressefotos, www.wachenschwanz.com
Kabarettist Clemens-Peter Wachenschwanz © Pressefotos, www.wachenschwanz.com
Autor: ANTENNE THÜRINGEN | Datum: 30.06.2017
Er ist ein Mann wie ein Bär mit einer Stimme, die dich umhaut. Kaum einer vermutet, dass hinter dieser rauen Fassade ein ganz weicher Kern steckt.

Clemens Peter Wachenschwanz ist 71 Jahre alt, er hat fünf Kinder, war zwei Mal verheiratet und ist jetzt gerade wieder Single. Nicht gerade das, was man sich unter einem Comedian vorstellt, oder?

Clemens Peter Wachenschwanz lebt seit seiner Studentenzeit in Leipzig, seine Herkunft kann er aber nicht verleugnen. Sein Dialekt ist nach wie vor südthüringisch-fränkisch gefärbt. Aufgewachsen ist er in Gleichamberg am Fuße der Gleichberge. Damals zur tiefsten DDR-Zeit Sperrgebiet. "Du kamst nur mit Passierschein rein, Freunde nach Hause mitbringen, war nicht drin." Als er acht Jahre alt war, schenkten ihm seine Eltern ein Klavier. Anfangs hat ihm das Geklimpere überhaupt keinen Spaß gemacht. Der Dorfkantor hat auch immer so langweilige Kirchenlieder zum Üben einstudiert. Viel lieber hat der kleine Clemens Schlager in die Tasten gehauen. Dafür gab es vom "Vadda" immer mal eine Kopfnuss. Waren halt andere Zeigen damals...

"Ich erzähle gerne - das ist meine Lust und Last"

In der Nachbarstadt Hildburghausen macht er sein Abitur und weiß wie viele andere nicht was er am besten studiert und entscheidet sich für Sport an der DHfK (Deutsche Hochschule für Körperkultur und Sport) in Leipzig. Nach dem Studium ist er also Sportlehrer. Mit 20 war Wachenschwanz bereits Vater von zwei Söhnen. Um eine Wohnung zu bekommen, meldet er sich bei der Armee. Fünf Jahre arbeitet er als Offizier. Dank eines "glücklichen" Sportunfalls bekommt er die Kurve, verlässt die Armee in Ehren und kehrt an die Sporthochschule nach Leipzig zurück. Aber mit der Zeit wird es ihm zu geistlos, sich nur mit Sport und dem Körper zu beschäftigen. Klavier klimpern kann er und singen auch ein bisschen, also hilft er beim Studentenkabarett aus. Und irgendwann merkt er, ich kann das. Ich kann, wenn es sein muss, einen Saal mit 400 Leuten zum Lachen bringen.

Das Wichtigste ist, du musst bei dir selbst bleiben, wenn du was mit dem Herzen machst, kannst du keine Grenze überschreiten oder pietätlos werden.
- Kabarettist Clemens Peter Wachenschwanz

Mit 39 Jahren entdecken ihn die DDR-Kulturfunktionäre als "junges Talent". Texte kann er sich schlecht merken und deshalb ist jede seiner Aufführungen anders. Nur die Lieder am Klavier sind immer fester Bestandteil. Das war zu DDR-Zeiten auch nicht immer ganz ungefährlich. Vor allem kurz vor der Wende hatte die Staatsführung mächtig aufs Korn genommen, als Gorbatschow immer populärer wurde hatte er zum Beispiel den "Störenfried aus der Sowjetunion" verdammt und die Parolen von Honecker und Co. zum Besten gegeben. Blanke Ironie natürlich und das Publikum lag vor Lachen unterm Tisch. Heute liebt der Kabarettist vor allem die kleinen Säle, da kann man jedem in die Augen schauen. Und heute traut er sich auch mal leise Töne anzustimmen, damit der weiche Kern in dem Bären auch mal zum Vorschein kommen kann.

Ein kleiner Einblick