Urteil: 30 Jahre nach dem Sexualmord - Täter kommt nie mehr frei

Lebenslang für den Mörder von Heike Wunderlich

Heike Wunderlich
Heike Wunderlich
Autor: Elke Schröder | Datum: 30.08.2017
Mord verjährt nie! 30 Jahre nach dem grausamen Verbrechen an der 18-Jährigen aus Plauen ist der Täter verurteilt worden. Helmut S. (62)

Einer der spektakulärsten Fälle der DDR endlich geklärt

Mehr als 30 Jahre nach einem Sexualmord im Vogtland ist ein 62-Jähriger zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Zwickau sah es am Mittwoch nach 43 Verhandlungstagen als erwiesen an, dass Helmut S. am 9. April 1987 die damals 18 Jahre alte Heike Wunderlich vergewaltigt und erdrosselt hat. Wegen der Brutalität der Tat stellte die Schwurgerichtskammer zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Damit wird eine vorzeitige Haftentlassung für den Mann aus Gera (geboren in Zwickau) erschwert.

R.I.P. Heike

Viel zu früh" steht auf Heikes Grabstein. Mit 18 Jahren wird sie auf ihrem Nachhauseweg ermordet. Die Leiche der jungen Frau wurde 1987 in einem Waldstück bei Plauen gefunden. Heike wurde vergewaltigt und erdrosselt. 30 Jahren nach dieser grausamen Tat muss sich ein Mann aus Gera (gebürtiger Sachse) jetzt vor Gericht verantworten. "Das ist unser ältestes ungeklärtes Tötungsverbrechen gewesen", sagt Staatsanwalt Holger Illing. "Es stammt quasi noch aus einer anderen Zeit".

Der Angeklagte

Nach einem Schlaganfall (2012) sitzt er im Rollstuhl und hat erhebliche Sprachstörungen. Seit seiner Festnahme im Frühjahr ist er nicht in einem Gefängnis, sondern im Haftkrankenhaus Leipzig untergebracht. Er bestreitet die Tat. In ihrem Schlussvortrag verlangten die Anwälte des gebürtigen Zwickauers ein medizinisch-psychologisches Gutachten. Nach ihrer Ansicht sei Helmut S. nicht in der Lage, sich angemessen zu verteidigen.

Festnahme im Frühjahr 2016

Bei einer nochmaligen DNA-Untersuchung mit modernsten kriminaltechnischen Methoden sei das Landeskriminalamt auf den Mann gestoßen. Er war bereits wegen anderer Straftaten in der Datei.

Was geschah an jenem verhängnisvollen 9. April 1987?

Laut Polizei war Heike damals am späten Abend mit ihrem Moped auf dem Heimweg von Plauen nach Altensalz. Es regnet stark - die Ermittler rekonstruieren, dass Heikes Moped wohl einen Defekt hatte. Nach 8 Minuten Fahrt durch ein Waldstück - muss sie  absteigen und schieben. Was dann geschah, weiß nur ihr Mörder. Einen Tag später wird ihre Leiche durch Zufall von einem Armeeangehörigen gefunden, daneben das Moped. Personalausweis, Schlüsselbund mit silberfarbener Schmuckkette sowie ein schwarzer Ledergürtel fehlten.

Die jahrelange Suche nach dem Täter

Ein Jahr nach dem Mord trafen Heike Wunderlichs Eltern auf dem Friedhof am Grab ihrer Tochter auf einen Unbekannten. Er flüchtete. Bis heute ist unklar, was der Mann an dem Grab wollte. Damals wurde ein Phantombild von ihm erstellt.

DNA-Analyse

Die DNA-Analyse ist inzwischen eines der wichtigsten kriminalistischen Ermittlungsinstrumente. 1998 wurde bundesweit eine DNA-Analysedatei eingeführt, die es ermöglicht, DNA-Profile mutmaßlicher Täter an Tatorten zu sammeln und bundesweit abzugleichen.