Zum Tag der Befreiung - "Lass uns reden"

KZ-Überlebende Eva Fahidi Pusztai

Eva Fahidi Pustzai © Dr. Johannes Bock, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald
Eva Fahidi Pustzai © Dr. Johannes Bock, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald
Autor: Lisa Schirmer | Datum: 08.05.2017
Heute, zum Holocaust-Gedenktag, ist die 90-jährige Eva Fahidi Pusztai, ungarische Jüdin und Überlebende von Auschwitz und Buchenwald, bei uns zu Gast im Thüringen Talk.

"Sie nimmt meine Hand und sagt leise, lass uns reden"
Eva Fahidi Pusztai lerne ich in ihrem Hotel in Weimar kennen. Sie ist aus Ungarn angereist um in Weimar den 72. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald zu begehen. Ich bin ein wenig aufgeregt, weil ich nicht weiß wie sie auf mich reagieren wird. Wenn ich sie ausgerechnet in deutscher Sprache interviewen möchte. In der Sprache der Täter, die ihre ganze Familie ausgelöscht haben. Sie kommt mir entgegen, mit 91 Jahren überraschend fit mit schlohweißen Haaren und freundlichen Augen. Sie nimmt meine Hand und sagt, lass uns reden. Und wir reden über schreckliche Dinge, dann aber auch über Hoffnung und Zuversicht. Thüringen Reporterin Bettina Ehrlich.

"Alle waren weg. Ich war dort allein"
Mit 18 Jahren wird Eva Fahidi Pusztai mit ihrer ganzen Familie und weiteren 14.000 Juden aus Debrezen in Ungarn deportiert. Sie werden in Viehwaggons gesperrt und in das Vernichtungslager Ausschwitz-Birkenau gebracht. Direkt an der Rampe wird sie bereits von ihrer Familie getrennt. In diesem Moment realisiert die junge Frau noch nicht, was mit ihren Eltern und ihrer Schwester passiert. Denn um zu überleben, muss man arbeitsfähig sein.

"Ich habe 8 Monate in einer Sprengstofffabrik überlebt"
Eva Fahidi Pusztai kommt in das KZ-Außenlager Münchmühle nach Hessen. Dort schuftet sie im Sprengstoffwerk. Mit bloßen Händen und ohne jegliche Schutzmaßnahmen hantieren die Frauen dort mit den giftigen und explosiven Materialien. Trotzdem gilt die Arbeit im Werk als Glücksfall, denn die Arbeiterinnen dürfen heiß duschen und bekommen am Tag einen halben Liter Milch. Pusztai übersteht inzwischen schon 8 Monate in dem Lager, bis es 1945 plötzlich evakuiert wird, da die Alliierten immer näherkommen. Während des Todesmarsches gelingt ihr die Flucht und wird nach 4 Tagen ohne Wasser und Nahrung von amerikanischen Truppen aufgelesen. Nach einer langen Irrfahrt kehrt sie schließlich nach Ungarn zurück.

"59 Jahre lang habe ich kein Wort darüber gesprochen, keine Silbe darüber geschrieben"
Erst seit Kurzem kann und will sie sich an die schrecklichen Erlebnisse zurückerinnern. Eva Fahidi Pusztai ist heute eine der aktivsten Zeitzeuginnen. Mit ihren 91 Jahren hat sie noch große Ziele: Mit leuchtenden Augen erzählt sie von einem Tanzprojekt. Es war schon immer ein Kindheitstraum von ihr. Sie stand bereits mit einem Ensemble mit "Sea Lavender oder die Euphorie des Seins" auch in Erfurt auf der Bühne.