Bundestagswahl 2017

Hätten Sie es gewusst?

Eigene Abbildung
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Autor: Maribel De La Flor | Datum: 13.09.2017
Das darf doch nicht Wahl sein - die neue Rubrik auf ANTENNE THÜRINGEN in Vorbereitung auf die Bundestagswahl am 24. September.

Vieles, was Sie über die Wahl wissen, stimmt. Aber nicht alles! In dieser Woche klären wir Sie über so einige Wahlmythen auf.

Werden die Stimmzettel nach der Wahl aufgehoben?

Stimmzettel werden nach der Bundestagswahl aufgehoben - Aber deutlich kürzer als gedacht. Falls es zu Ungenauigkeiten oder Klagen kommt muss es eben die Möglichkeit geben nachzuzählen. Dafür werden Stimmzettel versiegelt und archiviert. Da kommt auf die Gemeinden ein ziemlicher Berg an Stimmzetteln zu. Die bei Tausenden und Hundertausenden Stimmzettel auch einiges wiegen. Prinzipiell gillt: Der Landeswahlleiter hat das Sagen. Wenn er bestimmt, die Zettel werden vernichtet dann werden Sie von einer Spezialfirma entsorgt. Meistens wandern die alten Stimmzettel etwa 60 Tage vor der nächten Bundestagswahl in den Reißwolf.


Was passiert, wenn ich meine Stimme ungültig mache?

Das ist Protest und zeigt den Parteien, wie unzufrieden Sie sind. Tatsächlich könnte man aber genauso gut nicht zur Wahl gehen. Die ungültigen Stimmen werden zwar angegeben - beeinflussen aber am Ende das Wahlergebniss nicht. 1,3 Prozent der Stimmen waren bei der letzten Bundestagswahl ungültig. Zur Berechnung der Stimmanteile und Sitze der Parteien fließen diese 1,3 Prozent aber nicht ein. Stimmen ungültig machen ist in Deutschland auch eher ein Minderheitenphänomen. Experten gehen davon aus, dass die meisten Menschen ihren Stimmzettel nicht absichtlich ungültig machen. In anderen Ländern sieht das ganz anders aus.

In Mexiko machen bis zu 6 Prozent aller Wähler ihre Stimmen ungültig. Und in vielen europäischen Ländern gibt es eine Wahlpflicht - Deswegen gibt es in Ländern wie Belgien auf dem Wahlzettel ein Extra-Kästchen auf dem Wähler „weiß“ anzukreuzen können, um damit niemanden zu wählen.


Muss es immer ein Kreuz auf dem Wahlzettel sein?

Es muss nicht immer ein Kreuz sein. Die feste Wahlabsicht muss zweifelsfrei erkennbar sein. Dann zählt meine Stimme. Den Kreis neben dem Namen oder der Partei kann also auch ausgemalt werden. Sie können den Kreis aber auch nochmal umranden oder Sie machen einen Haken ins Kästchen. Es ist sogar erlaubt alle Parteien bis auf die gewünschte durchzustreichen - Damit wird auch klar wen man wählen will. Sogar ein Smiley im Kästchen ist denkbar aber nicht unbedingt ratsam ;)


Warum fehlt auf dem Wahlzettel oben rechts eigentlich eine Ecke?

Der eine oder andere kann seinen Wahlzettel durch die fehlende Ecke vielleicht wirklich einfacher aufklappen. Die fehlende Ecke hat aber einen ganz anderen Zweck. Sie ermöglicht Blinden und Sehschwachen
Menschen frei und geheim zu wählen. Durch die fehlende Ecke ist klar
wo oben, unten, rechts und links auf dem Wahlzettel ist. Das ist wichtig damit Blinde die sogenannte Stimmzettelschablonen richtig einsetzen können. Der Wahlzettel wird in die Schablone mit Blindenschrift geschoben und schon können auch Blinde ohne Probleme ihr Kreuzchen an der gewünschten Stelle machen.


Wie kommt man als Partei eigentlich in den Bundestag?

Wer mindestens 5 Prozent aller Zweitstimmen erreicht darf in den Bundestag einziehen. Soweit richtig - es gibt aber noch einen anderen Weg. Die sogenannte Grundmandatsklausel. Klingt komplizierter als Sie ist. Wer Deutschlandweit 3 Direktmandate über die Ersttimme gewinnt, schafft es ebenfalls rein. Dann kommen nicht nur die 3 Abgeordeneten in den Bundestag, sondern die Zweistimmen der Partei werden auch gezählt. So passiert 1994. Die PDS hatte nur 4,4 Prozent der Stimmen aber 3 Direktmandate - machte am Ende 30 Abgeordnete im Bundestag. Wer übrigens in einem Wahlkreis über die Erststimme gewählt wird, zieht immer in den Bundestag ein. Egal, wie viele Stimmen seine Parteien über die Zweitstimme bekommen hat.