Das sind die Meinungen in den Regionen

Gebietsreform - Was sagen die Thüringer?

Schreibtisch, Foto: pixabay
Schreibtisch, Foto: pixabay
Autor: ANTENNE THÜRINGEN | Datum: 06.10.2016
Es ist DAS Thema des Tages - die umstrittene Gebietsreform in Thüringen. Landkreise sollen verschwinden, andere neu entstehen. Heute haben die Gegner ihre Unterschriften dem Innenministerium vorgelegt.

Wir wollten mal schauen, wie die Thüringer in den einzelnen Regionen darüber denken - wie die Stimmungslage so ist. Denn diese Pläne zur Gebietsreform werden ganz unterschiedlich aufgenommen...

Brotterode freut sich über die Gebietsreform

Tja - die Brotteröder wollen die Gebietsreform nutzen, um Trusetal wieder loszuwerden. Vor fünf Jahren hatten sich beide Kommunen zur Doppelstadt Brotterode-Trusetal zusammengeschlossen. Es sollte alles besser werden. Diese Ehe war aber von Anfang an zum Scheitern verurteilt, weil es zwischen Brotterödern und Trusetalern menschlich nicht passt. Die Spannungen - vor allem im Stadtrat - sind dann so gestiegen, dass auf der letzten Sitzung die Trennung im Zuge der Reform beschlossen wurde. Und so schielt Brotterode Richtung Nachbargemeinde Floh-Seligenthal. Die ist reich. Und Trusetal will mit Breitungen anpendeln. Der Gemeinde geht es auch gut. Und deshalb kommt die Gebietsreform hier im Thüringer Wald gerade richtig.

Alle reißen sich um die Moorgrundgemeinde

Der Einheitsgemeinde im Wartburgkreis geht es richtig gut. Der ging es noch nie schlecht. Ex-Bürgermeister Udo Schilling hat über seine sehr lange Amtszeit gut gewirtschaftet. Jetzt ist er Vize-Landrat. Und der neue Rathauschef Hannes Knott geht diesen Weg konstant weiter. Die Moorgrundgemeinde könnte locker alleine weitermachen - aber die Einwohnerzahl reicht nicht. Und so hat natürlich die Nachbar-vermutlich-noch-Kreisstadt Bad Salzungen ein Auge auf die sieben Ortsteile geworfen. Barchfeld-Immelborn auch, genauso wie die Gemeinde Marksuhl. Für den Moorgrund ist das jetzt wie bei der Partnervermittlung: Du suchst dir am Ende den Besten aus.

Die Saalfeld-Rudolstädter schmieden Pläne

Sie wissen - die Gebietsreform wird durchgesetzt. Also planen sie gemeinsam mit dem angrenzenden Saale-Orla-Kreis den Zusammenschluss. Ist auch logisch, beide Verwaltungen arbeiten eh schon eng zusammen. Saalfeld-Rudolstadts Landrat Marko Wolfram hat gesagt: Bevor wir überrascht werden oder zu etwas gezwungen werden, arbeiten wir lieber Eckpunkte aus. Die Forderungen sollen Innenminister Poppenhäger am Freitag übergeben werden. Aber zwischen beiden Landkreisen ist natürlich nicht ALLES Friede, Freude, Eierkuchen. Streit gibt es zum Beispiel um den künftigen Sitz des Landratsamtes....allerdings dürften da die Saalfelder die Nase vorn haben - sie sind einfach mehr.

Gera könnte die Kreisfreiheit verlieren

...die einst zweitgrößte Stadt Thüringens steht also vor dem Kollaps. Der Einwohnerschwund ist daran schuld. Den Status "kreisfrei" gibt es nur ab 100.000 Einwohnern und Gera zählte Ende März nur noch 96.357 Einwohner mit Hauptwohnsitz. Oberbürgermeisterin Viola Hahn kämpft wie eine Löwin ... legte sogar Statistiken vor, aus denen hervorgeht, dass Geras Einwohnerzahl stetig steigt. Und sie will mit Eingemeindungen aus dem Umland Gera aufpumpen. Geht das schief, könnte die Stadt auch in einen Großkreis Altenburger Land-Greiz-Gera gequetscht werden. Davon ist aber keiner der Betroffenen wirklich begeistert.

Sonneberg und Hildburghausen: Wenn es so kommt, sind wir weg!

Und zwar am liebsten über die Landesgrenze weg nach Franken. Dorthin fühlen sich vor allem die Sonneberger schon eh und je sehr hingezogen. Und die Diskussion schwappt immer mal hoch - denn die Erfurter Pläne sind hier im Süden gar nicht gut angekommen. Im Kreis Sonneberg leben knapp 73.000 Einwohner und in Hildburghausen gar nur 57.000. An einem Zusammenschluss, wie auch immer der aussehen soll, kommen die beiden nicht vorbei. Völlig gaga nennt der Hildburghäuser Landrat Thomas Müller die Pläne aus Erfurt. "Die sparen damit nicht einen Cent", ist er sich sicher. Ins gleiche Horn bläst seine Kollegin in Sonneberg Christine Zitzmann. Sie ärgert, dass gut funktionierende Strukturen zerschlagen werden sollen. Beide Kreistage haben deshalb auch schon den Beschluss gefasst, dass die Landkreise so wie sie sind erhalten bleiben sollen.

Umfrage: Das denken die Sonneberger über die Gebietsreform