Martin Oeltermann im Thüringen Talk

Ex-Knacki mit Hang zum Weltverbesserer

Foto: Martin Oeltermann
Foto: Martin Oeltermann
Autor: Maribel De La Flor | Datum: 20.02.2017
Vom Bankräuber zum Abiturienten.

Gefühlt lebt Martin Oeltermann schon ewig in Suhl. Er mischt so ziemlich überall mit: Als Jugendtrainer beim Suhler Volleyballverein, für die Freien Wähler sitzt er im Stadtrat, er spielt im Suhler Marionettentheater mit und in der Kirchengemeinde hilft er auch fleißig. Nicht im Traum kommt man darauf, dass dieser Mann im Gefängnis war. 

Mit zwei Komplizen hatte er zwei Banken überfallen. Ganz klassisch: mit schwarzen Strumpfhosen über dem Kopf und Gaspistolen.

Wir haben zwar die Magazine aus den Waffen genommen, damit nichts passiert, aber welche Angst wir den Menschen gemacht haben, ist mir erst später bewusst geworden.

Heute geht Martin Oeltermann mit seiner Vergangenheit ganz offen um. Sogar in Schulen berichtet er darüber, wie schnell man in so etwas reingezogen werden kann. Bei ihm waren es die Drogen. Die Idee eine Bank auszurauben, kam dem Trio eher zufällig.

Lange Freude an der Beute hatten die Jungs jedoch nicht. Die beiden Komplizen hatten in einer Disco mit ihrem Geld geprahlt und Fingerabdrücke am Tatort lieferten dann den letzten Beweis. Alle Drei wurden festgenommen. 

Für sechs Jahre und drei Monate musste er ins Gefängnis nach Suhl Goldlauter. Zwei Sozialarbeiter bringen ihn dazu, dass er als Freigänger an der Suhler Volkshochschule sein Abitur ablegt. Dort lernt Oeltermann seine spätere Ehefrau kennen. Natürlich wissen die Mitschüler von seiner zweifelhaften Karriere. Trotzdem bleiben die beiden ein Paar. 

Über den Freundeskreis seiner Frau kam er später zu seinem Posten bei der Suhler Tafel. Als Leiter der Tafel und des Fördervereins des Familienzentrums "Die Insel" hat sich Oeltermann jedoch hoffnungslos übernommen. Irgendwann brach alles über ihm zusammen.

Die Bilanzen stimmten nicht und sofort kam der Vorwurf, der Ex-Knacki hat in die Kasse gegriffen. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass Oeltermann mit der Buchhaltung völlig überfordert war, Geld veruntreut oder Ähnliches hatte er jedoch nicht. "In solchen Momenten merkst du, wer deine wirklichen Freunde sind." Vor allem seine Frau war in dieser Zeit wieder mal der Fels in der Brandung.

Heute bezeichnet sich Oeltermann als glücklichen Mann. Vor allem die Arbeit als Jugendtrainer beim Suhler Volleyballverein macht ihm Spaß. Zu dem Verein kam er über seine Tochter. "Wie das eben so ist, damals wurden Betreuer gesucht und ich habe dann irgendwann meinen Trainerschein gemacht."