Nach TV-Duell zwischen Merkel und Schulz

"Die Moderatoren haben verloren"

TV-Duell Screenshot
TV-Duell Screenshot
Autor: Maribel De La Flor | Datum: 04.09.2017
Gestern Abend das große Kräftemessen der Kanzlerkandidaten im Deutschen Fernsehen: Merkel gegen Schulz. Prof. Dr. Brodocz, Politikexperte der Uni Erfurt, hat für uns das Duell mal eingeordnet.

Was ist Ihr persönlicher Eindruck?

"Die Moderatoren haben verloren. Und es ist nicht verwunderlich, dass Angela Merkel gewonnen hat - weil sie die Spielregeln diktiert hat. Damit ist gemeint, dass das Kanzleramt sehr deutlich signalisiert hat, dass es  nur einen Termin geben wird zwischen Angela Merkel und Martin Schulz. Und dieser Termin soll genauso ablaufen wie das letzte TV-Duell."

Aber da war doch eine Frage...

"Wir hatten einen Moment, da haben beide für einen Moment in die Kamera geguckt und ganz unerwartet auf eine Frage antworten mussten. Das war diese sehr leichte Frage, ob sie diesen Sonntag eigentlich in der Kirche waren. Da wurden sie auf dem kalten Fuß erwischt. Und da waren beide nicht gut. Bei all den anderen Fragen hatte der Zuschauer den Eindruck, dass sie alles vorbereitet hatten."

Viele sagen, dass es kein Duell war, sondern ein Duett?

"Es war wirklich in der Tat kein richtiges Duell. Wir hatten hier Regierung gegen Regierung. In einer modernen Demokratie hätte man eigentlich Regierung gegen Opposition haben müssen. Insofern war der Abend aus politikwissenschaftlicher Perspektive interessant, aber aus einer politischen Perspektive für Bürgerinnen und Bürger wenig entscheidungsfördernd."

Trotzdem liegt Martin Schulz in den Umfragen hinter Angela Merkel...

"Er hat schlechter abgeschnitten. Aber in der Auswertung danach wurden die Themenbereiche, die unentschieden ausgegangen sind, noch einmal beleuchtet. Am Ende konnten Sie feststellen, dass er bei den Unentschiedenen anteilig so viel mobilisieren konnte wie momentan auch der Abstand zu Angela Merkel ist. Das heißt, er hat nicht sehr viel verloren. Für die SPD wird es jetzt darum gehen, ein Ergebnis zu erzielen, das besser ist als das letzte. Wenn Martin Schulz schlechter abschneiden sollte als Peer Steinbrück, dann bin ich mir nicht sicher, ob er noch Parteivorsitzender bleiben wird."

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