Talk mit Christian Lusky vom Suhler Marionettentheater

Der Süler Köschper

Foto: Christian Lusky
Foto: Christian Lusky
Autor: Christian Weirich | Datum: 06.02.2017
Christian Lusky hält die Fäden in der Hand: die seiner Marionetten - und die seines Schicksals. Seine ganz persönliche und spannende Geschichte erzählt er im Thüringentalk mit Bettina Ehrlich.

Seinen ersten Auftritt hatte Christian Lusky mit 12 Jahren vor einer Gruppe Senioren. Als Bauchredner. Die Puppe bekam er von seiner Tante aus dem Westen. Die Leute haben sich gebogen vor Lachen.

"Vermutlich nicht über meine lustigen Witze, sondern weil sie gemerkt haben, dass ich kein Wort von dem verstehe, was ich da sage. Egal, heute kann ich selbst drüber lachen", erinnert er sich.

Mit "Christians Marionettentheater" erfüllt sich für ihn ein Kindheitstraum. Am 6. Dezember 2006 konnte er mit seinem eigenen Programm im Suhler Marionettentheater Premiere feiern.

Inzwischen hat sich das kleine Puppentheater vom Geheimtipp zu einem echten Magneten für Besucher aus ganz Deutschland gemausert. Viele Vorstellungen sind restlos ausverkauft. Nicht nur die Märchen für Kinder, auch die Stücke für die Erwachsenen kommen gut an. Schon als Kind war Christian Lusky Fan der Augsburger Puppenkiste. Über seine Tante im Westen gelingt der Kontakt, zunächst mithilfe von Briefen, später nach der Wende besucht er die Augsburger Vorbilder regelmäßig. Auch seine Geburtstage feiert er immer in Augsburg. Und von den Puppenspielern dort kam auch der Auslöser für das Suhler Marionettentheater. Mach es doch einfach, haben sie gesagt.

Naja - und dann hab ich`s eben gemacht

Wer schon mit 12 auf der Bühne steht, der hat eine große Karriere auf den Brettern, die die Welt bedeuten, vor sich. Könnte man meinen. Christian Lusky allerdings lernt nach der Schule Zimmermann. Danach belegt er Schauspielkurse in Berlin und kehrt dann aber doch wieder nach Suhl zurück. Dort in der Provinz wird er ein Entertainer, wie er im Buche steht. Sogar eine Travestie-Show stellte er zusammen mit seinen Bandkollegen auf die Beine. Mit einer Perücke und dem Kleid seiner Mutter. Bis zur Wende ging das auch sehr gut. Wegen der vielen Urlauber im Thüringer Wald gab es Auftritte ohne Ende. Ein Westkünstler hätte davon nur träumen können.

Auch eine Nacht im Suhler Stasiknast musste Lusky verbringen. Weil er die Nachrichtensendung im DDR-Fernsehen satirisch verulkt hatte. Sie haben die Rolle der Arbeiterklasse infrage gestellt, wurde ihm deshalb vorgeworfen.

Doch mit der Wende endet für Lusky die "Tingelei" durch die Provinz. Er wollte sich nicht unter Wert verkaufen und ist heute froh, diesen Schritt getan zu haben.

Mit dem Marionettentheater habe ich meine Nische gefunden.