Speerwerfer Thomas Röhler im Thüringen Talk

"Das NUR ist so ein bisschen ein deutsches Problem!"

Thomas Röhler © Team JenJavelin
Thomas Röhler © Team JenJavelin
Autor: Maribel De La Flor | Datum: 13.10.2017
Für Leichtathletikfans gehört er schon längst zu den Superstars der Szene. Spätestens seit seinem Olympiasieg letztes Jahr in Rio de Janeiro hat er einen Hype im Speerwerfen ausgelöst. Thomas Röhler aus Jena war Studiogast bei Dany Striese im Thüringen Talk.

Profisportler eben, für den Disziplin, Fleiß und ein durchorganisierter Tag zum Sportlerleben gehören.

Seine Liste an Erfolgen, Titeln und Medaillen ist lang. Aber seit letztem Jahr, als er seinen Speer mit 90 Meter 30 zum Olympiasieg warf, ist der Trubel noch mehr geworden. Nicht nur die Fangemeinschaft, auch die öffentliche Aufmerksamkeit und der Druck sind gewachsen.

Die ganze Welt ist plötzlich am Speerwerfen interessiert"

Wenn es Röhler zu viel und zu laut wird, zieht's den 26 jährigen gebürtigen Jenenser in die Natur. Egal ob Kernberge oder an der Saale, er ist gern draußen, wandert gern, angelt oder geht zum Fliegenfischen. Das dient dem mentalen Ausgleich, der Kontrast zum Sport. "Er liebt das Meer, ist Küstenmensch", sagt er. Sich allerdings in die Sonne legen, ist nicht so sein Ding, er hat immer Hummeln im Hintern. Wie es sich für einen Profisportler gehört, ist er immer in Bewegung, gern auch zum Fotografieren. Auch für Skandinavien kann sich der 26 jährige begeistern. Mit Wintersport kann man ihn eher weniger locken, obwohl man ihn auch schon mal in der Loipe in Oberhof trifft. Auch wenn er gleich in der Nachbarschaft trainiert, trifft man ihn nicht bei den Fußballspielen von Carl Zeiss Jena. Es sind eher die Basketballer von Sience City Jena, denen er gern mal bei Heimspielen die Daumen drückt. Sollte es mit dem Speer nicht mehr klappen, wäre Basketball für den 1.91 m Mann durchaus eine Option. Für einen Aufbauspieler reicht es, sagt er grinsend.

Momentan steht das aber gar nicht zur Diskussion. Thomas liebt seinen Sport und will das möglichst lange machen und hofft, verletzungsfrei zu bleiben. Ist er nicht gerade im Training auf dem Platz oder in der Halle, reist er zu den Wettkämpfen um die Welt. Oft muss er beim Gepäck-einchecken am Flughafen erklären, dass er mit den 2 Meter 70 langen Stäben nicht Schlimmes vor hat. Die Speere gehören zu seinem Beruf und sind sein Werkzeug.

Für nächstes Jahr läuft die Wettkampfplanung. Los geht es wahrscheinlich in China im Mai, gefolgt von Doha und vielleicht erstmals ein Wettkampf im Februar in Australien. Klar will er im Sommer, bei der Europameisterschaft im eigenen Land, in Berlin ganz vorn landen. Aber die Konkurrenz im deutschen Kader ist groß. Das hat Thomas auch bei den Weltmeisterschaften in London dieses Jahr gemerkt. Da hat sich ein anderer Deutscher, Johannes Vetter, den WM-Titel geholt. Röhler warf knapp an einer Medaille vorbei und wurde "nur" vierter.

Das NUR ist so bisschen ein deutsches Problem"

Eigentlich ist es doch großartig, viertbester Speerwerfer der Welt zu sein! Die Schlagzeilen in Deutschland aber lauten: "Röhler hat Medaille verpasst oder Medaillenhoffnung Röhler nur enttäuschter Vierter!". Wenn Thomas seinen Sport irgendwann nicht mehr ausüben will oder kann, möchte er seinen Sport weiter voranbringen. Wettkämpfe und Events organisieren, was er, wenn es die Zeit zulässt, auch jetzt schon macht, wie in seiner Heimatstadt Jena. Hier möchte er, trotz vieler Abwerbeversuche von anderen Sportvereinen, auch bleiben. In Jena sind seine Familie und Freunde, sie sind für Röhler das Wichtigste, vor allem wenn es mit dem Speer mal nicht so läuft.

Irgendwann möchte der 26 jährige mal das ganz "Normale", Familie, Kinder und vielleicht ein Haus. Bis dahin versucht er, seinen Speer noch möglichst lange, verletzungsfrei, viele, viele Meter weit zu werfen.