Bundeskredit sichert den Flugbetrieb

Air Berlin Insolvenz - Flugbetrieb geht weiter

Airberlin Foto pixabay
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Autor: Elke Schröder | Datum: 16.08.2017
Alle wichtigen Fragen und Antworten für Reisende.

"Die Flugpläne bleiben gültig, gebuchte Tickets behalten ihre Gültigkeit, alle Flüge sind weiterhin buchbar", teilte das Unternehmen mit, das täglich rund 80 000 Passagiere befördert. Die Fluggesellschaft Air Berlin hat Insolvenzantrag gestellt. Zehntausende sind mit Air Berlin verreist - und sie sollen auch wieder nach Hause kommen, trotz Insolvenz. Ein Bundeskredit sichert den Flugbetrieb für einige Monate.


Air Berlin teilte mit:

  • Alle Flüge von Airberlin und Niki finden weiterhin statt.
  • Die Flugpläne bleiben gültig.
  • Gebuchte Tickets behalten ihre Gültigkeit.
  • Alle Flüge sind weiterhin buchbar.

 

 


Alle wichtigen Fragen und Antworten kompakt:

Kann ich jetzt noch fliegen?

Ja! "Alle Flüge der Air Berlin und NIKI finden weiterhin statt", schreibt die Fluggesellschaft auf ihrer Webseite. Flugpläne und gebuchte Tickets blieben gültig, auch alle Flüge seien weiterhin buchbar.

Wieso kann es trotz Insolvenz weiter gehen?

Insolvenz bedeutet noch nicht, dass das Unternehmen aufgelöst wird. Die Bundesregierung springt ein -  das Unternehmen bekommt einem Übergangskredit von 150 Millionen Euro.

Sollte der Flugbetrieb eingestellt werden, was passiert mit meinem Ticket?

Falls die Airline tatsächlich den Betrieb ganz einstellen muss, wird es für Kunden schwierig.  Denn dann müssen sie sich an den Insolvenzverwalter wenden. Die Chancen, dort etwas zurückzubekommen, liegen aber quasi bei null, so die Verbraucherzentrale.

Ich habe eine Pauschalreise gebucht und jetzt?

Sie können aufatmen, denn Pauschalreisende sind bei Fluglinien-, Hotel- oder Veranstalterpleiten besser abgesichert. Das ist gesetzlich geregelt. Veranstalter müssen sich selbst gegen eine mögliche Zahlungsunfähigkeit versichern. Sie als Kunde erhalten nach der Buchung den sogenannten Sicherungsschein.

Soll ich mein gebuchtes Ticket jetzt stornieren?

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät derzeit von einer Stornierung ab. Denn Kunden haben nur Anspruch auf eine Erstattung der Steuern und Gebühren und nicht immer auf den Ticketpreis. Im teuersten Air-Berlin-Flugtarif Economy Flex geht das Stornieren manchmal kostenfrei, in Economy Classic teilweise gegen Gebühr. Für den Tarif Economy Light ist eine Stornierung immer ausgeschlossen.

Wie kam es zur Pleite?

Hauptaktionär von Air Berlin ist seit 2011 die Fluggesellschaft Etihad mit Sitz in Abu-Dhabi. Air Berlin hing zuletzt nur noch am finanziellen Tropf von Etihad. Doch die Fluglinie gibt jetzt kein Geld mehr, da sich das Geschäft von Air Berlin „beispiellos" verschlechtert habe.

Wie geht es jetzt für Air Berlin weiter?

Zur Zeit wird geprüft, ob Teile von Air Berlin verkauft werden können. Verhandelt werde unter anderem mit der Lufthansa, erklärte Air Berlin.

Ihre Frage direkt an studio@antennethueringen.de


Air Berlin will trotz Insolvenz mitten in der Ferienzeit weiter fliegen. "Alle Flüge der Air Berlin und Niki finden weiterhin statt", versicherte die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft am Dienstag. Zuvor hatte die chronisch defizitäre Airline einen Insolvenzantrag gestellt. Der Bund sichert aber mit einem Kredit den Flugbetrieb bis etwa Ende November, wie Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte. Bis dahin könne die Lufthansa Teile der insolventen Fluggesellschaft übernehmen.

Air Berlin mit ihren rund 8600 Beschäftigten schreibt seit Jahren Verluste und hielt sich hauptsächlich durch Finanzspritzen ihres roßaktionärs Etihad noch in der Luft. Am Freitag drehte die nationale Airline der Vereinigten Arabischen Emirate den Berlinern aber den Geldhahn zu. Mit dem Kredit von 150 Millionen Euro stellt nun der Bund den Flugbetrieb vorerst sicher.

Der Touristik-Experte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Felix Methmann, erklärte, sollten Flüge nicht durchgeführt werden, treffe das vor allem Passagiere, die sich selbst ein Ticket gekauft haben. Anders als bei Pauschalreisen greife keine Absicherung. "Sie können nur hoffen, dass die Flüge tatsächlich durchgeführt werden", sagte Methmann. Der Verband habe seit Jahren einen Insolvenzschutz für alle Flugreisenden gefordert. "Jetzt rächt sich die  Untätigkeit der Bundesregierung und der EU."

Die Lage bei Air Berlin hatte sich seit Ende März verschärft. Mit der Umstellung auf den Sommerflugplan häuften sich Flugausfälle und Verspätungen. Man sei "zu dem Ergebnis gekommen, dass für die Air Berlin PLC keine positive Fortbestehensprognose mehr besteht", hieß es in einer Air-Berlin-Pflichtmitteilung an die Börse.

Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg ordnete am Dienstag die Insolvenz in Eigenverwaltung an - das bedeutet, dass das bisherige Management um Vorstandschef Thomas Winkelmann für die Geschicke des Unternehmens verantwortlich bleibt. Vorläufiger Sachwalter ist der Rechtsanwalt Lucas Flöther, der zuletzt den insolventen Fahrradhersteller Mifa aus Sangerhausen in Sachsen-Anhalt rettetet und bei der Pleite des Internetriesen Unister in Leipzig die Insolvenzverwaltung übernommen.

Die Bundeshilfe für Air Berlin ist nach seinen Angaben der EU-Kommission gemeldet worden. Dobrindt rechnet damit, dass das Genehmigungsverfahren "ein paar Tage" dauert.