Michael Witter ist Thüringer Wolfs- und Hundeexperte

"Kein Mensch muss Angst vorm Wolf haben"

Autor: Elke Schröder | Datum: 28.08.2017
Michael Witter erforscht seit 15 Jahren Wölfe.

Michael Witter ist der Chef einer Hundeschule in Suhl, doch neben den Hunden sind Wölfe seine zweite Leidenschaft. Er studiert das Verhalten von Wolf und Hund, um es zu vergleichen. Über den Wolfsbestand in Thüringen freut er sich natürlich und warnt vor Panikmache und selbsternannten Fachleuten.

"Wölfe faszinieren mich einfach, wie cool sie bleiben und wie liebevoll sie sich um ihre Familie kümmern."

Michael ist dem Wolf begegnet - in freier Natur und der Wolf kam auf 100 Meter an ihn ran. Diese Begegnung hatte er in Finnland. Dort hat er sich 14 Tage lang auf die Suche nach dem Wolf gemacht und ihn auch gefunden. Nur ein ganz kurzer Augenkontakt und die Wölfe waren schon wieder weg. "Der gehört da nicht hin", haben die sich wohl gedacht.

"Diesen Augenblick vergesse ich in meinem ganzen Leben nicht"

Seitdem war es um ihn geschehen. Immer mehr beschäftigte er sich mit dem Wolf und seinem Verhalten. Inzwischen ist der Wolf auch bei uns in Thüringen angekommen. Vor allem Tierhalter sorgen sich um ihre Bestände. Erst vor kurzem waren in Wölfis Schafe gerissen worden. Möglicherweise war der Wolf der Übeltäter.

 "Der Wolf hat eine Chance verdient und er ist gut für den Wald"

Wenn nämlich die Herden geschützt werden, muss der Wolf im Wald seine Beute holen und da hilft er das natürliche Gleichgewicht wieder herzustellen. Er könnte zum Beispiel bei der Bekämpfung der Wildschweinplage helfen. Auch bei den Jägern gibt es unterschiedliche Stimmungen. Aber wir sollten den Wolf nicht schlecht reden, bevor er bei uns richtig angekommen ist.

"Der Wolf geht immer den Weg des geringsten Widerstands!"
Wenn wir es dem Wolf so einfach machen, kann man ihm doch keinen Vorwurf machen, verteidigt Witter das Raubtier. Die Herden müssen geschützt werden und zwar mit speziellen Herdenschutzhunden. Diese "Hunde" machen Rabatz und verjagen den Wolf. Natürlich werden dann auch Spaziergänger angebellt. "Ruhig bleiben, weiter gehen und am besten ignorieren", so Witter. Das gilt auch für Hundehalter.

"Wie viel Wolf steckt denn jetzt noch in unserem Hund"

Es steckt schon noch viel Wolf drin. Auch wenn einige Hundehalter ihre Lieblinge zu sehr vermenschlichen. Und man darf nie vergessen, egal ob es ein Chihuahua oder ein Rottweiler ist, es ist ein Raubtier.

"Kein Mensch muss Angst vorm Wolf haben"

Die einzigen Menschen, die derzeit Angst haben müssen, sind die Nutztierhalter - speziell die Schäfer. Aber mit Herdenschutzhunden können sie ihre Tiere schützen. Und genau da berät Michael Witter die Thüringer Landesregierung.

Der böse Wolf aus den Märchen ist keine Gefahr mehr
Früher in den Zeiten der Gebrüder Grimm hat der Wolf sich mit dem Menschen Jagdgebiet und Beute geteilt. Da konnte man sich schon ins Gehege kommen. Heute gehen wir in den Supermarkt oder die Fleischerei.  Ansonsten: Der Wolf ist viel zu scheu - er wird das Weite suchen, da ist sich Witter sicher. Ihre Routen allerdings, die sie seit Jahrhunderten gewandert sind, werden sie auch weiter gehen. Deshalb kann es auch passieren, dass sie mal durch ein Wohngebiet kommen. Aber deshalb greifen sie keine Menschen an. Und niemals werden sich in Thüringen große Rudel ansiedeln. "Dafür reicht bei uns das Territorium gar nicht aus".

 

Michael Witter im ThüringenTalk mit Bettina Ehrlich