Themar: 6.000 Nazis im 3.000-Einwohner-Dorf

Hitlergruß-Konzert und wie weiter?

6.000 Nazis im 3.000-Einwohner-Dorf Foto Bettina Ehrlich Thüringen Reporterin
6.000 Nazis im 3.000-Einwohner-Dorf Foto Bettina Ehrlich Thüringen Reporterin
Autor: Elke Schröder | Datum: 17.07.2017
Wie können riesige Neonazi-Festivals wie am Wochenende in Themar künftig verhindert werden?

Das kleine Themar im Landkreis Hildburghausen hat eines der größten Neonazikonzerte vermutlich sogar in Europa hinter sich. Zu dem Festival auf einem Wiesengrundstück am Stadtrand kamen mehr als 6.000 Teilnehmer. Am Tag danach wird die Frage diskutiert: Wie können riesige Neonazi-Festivals verhindert werden?

Änderung Versammlungsrecht?

Fast 1000 Polizisten hatten das Rechts-Rock-Festival am Wochenende in Themar abgesichert - auf Kosten der Steuerzahler. Jetzt folgt eine politische Debatte. Ministerpräsident Ramelow spricht sich unter anderem bei Twitter für eine Änderung des Versammlungsrechts aus - solche Konzerte dürften nicht mehr unter Meinungsfreiheit fallen. Die Vize-Chefin der Thüringer Jusos Arnold mahnt zur Vorsicht. Das Versammlungsrecht sei in einer Demokratie ein sehr hohes Gut.

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Polizei ermittelt - Hitlergruß

Nachdem ein Video im Netz aufgetaucht ist, in dem der Hitlergruß gezeigt wird, hat die Polizei die Ermittlungen aufgenommen. Das Video ist eindeutig: Beim Rechtsrockkonzert in Themar haben Dutzende Menschen den Hitlergruß gezeigt. Entsprechende Sequenzen waren am Wochenende in sozialen Netzwerken zu sehen. Das Rohmaterial sollte der Polizei als Beweis diesen. Dieses hat der Urheber inzwischen aber offenbar gelöscht. "Aufgrund massiver bundesweiter Nachfrage" - erklärte die Polizei via Twitter. Auf den im Netz veröffentlichten Videos waren keine Gesichter zu erkennen. Für das Verwenden verfassungsfeindlicher Symbole drohen bis zu drei Jahren Gefängnis

Ein Dorf wehrt sich: "Herz statt Hetze"

Die 3.000 Menschen in Themar haben den 6.000 Gästen deutlich gezeigt, dass sie unerwünscht sind. Gefeiert wurde ein Regenbogenfest und auch die Plakate waren eindeutig. Bunt und meist selbstgemalt mit recht witzigen Anti-Rechts-Sprüchen wie "Nazis och nööö".  Am Abend vor dem geplanten Rechtsrock-Konzert in Themar kamen 420 Menschen in der Bartholomäus-Kirche zu einem Ökumenischen Friedensgebet zusammen. Gekommen war auch Thüringens Innenminister Holger Poppenhäger (SPD).

Themar wehrt sich. Fotos Thüringen Reporterin Bettina Ehrlich

Fotos: Thüringen Reporterin Bettina Ehrlich

Themar - kommt nicht zu Ruhe

In zwei Wochen soll es hier schon wieder ein Veranstaltung von Rechten geben.

Themar ist kein Einzelfall. Seit Jahren meldet der Verfassungsschutz die Zunahme von Rechtsrock-Konzerten, organisiert von versierten Nazi-Strategen. Ihre Massentreffen halten sie dort ab, wo kaum Gegenwehr droht: auf dem Land. In Themar allerdings haben die Menschen Courage gezeigt!

Herz statt Hetze - ein Dorf wehrt sich. Foto wichmann-tv

 Foto: wichmann-tv