Busdrama auf der A9 bei Münchberg - Ursache steht fest

Ermittler sehen Schuld beim Busfahrer

Der Tag nach der Katastrophe - screenshot youtube
Der Tag nach der Katastrophe - screenshot youtube
Autor: Elke Schröder | Datum: 02.08.2017
Ermittler sehen Schuld beim Busfahrer. 18 Menschen sterben im Flammeninferno.

Eine "Verkettung tragischer Umstände" hat zum schweren Busunglück auf der A9 mit 18 Toten geführt. In Hof haben die Ermittler gerade ihre Untersuchungsergebnisse vorgelegt.

Fahrer unaufmerksam

Eine kurze Unaufmerksamkeit des Fahrers - dann krachte der Bus zwischen Münchberg und Gefrees mit etwa 60 Stundenkilometern auf den vor ihm abbremsenden Laster. Nach gut vier Wochen Ermittlungen haben Polizei und Staatsanwaltschaft ihre Erkenntnisse präsentiert. Der Busfahrer hatte wohl noch versucht, nach rechts auszuweichen - an der Ecke sind die Fahrzeuge zusammengestoßen, sagte Staatsanwalt Jochen Götz. 

Warum hat der Bus so schnell gebrannt?

Bei dem Unfall wurde der Bus vorne aufgerissen - so dass die Flammen direkt ins Innere schlugen und sich blitzschnell ausbreiteten, sagte Götz. Außerdem kam es zu Kurzschlüssen bei Batterie und Elektrik, beides war im Vorderbereich des Busses untergebracht. Ein Kraftstofftank dort wurde zusammengestaucht und platzte. Der Kraftstoff entzündete sich sofort, befeuert von austretender Druckluft.

Keine technischen Mängel am Bus

Wie Horst Thiemt, der Chef der Verkehrspolizei Hof sagt, hatte der Bus keine technischen Mängel. Er war mit ABS und ESP ausgestattet, hatte aber kein automatisches Bremssystem, das beispielsweise bei drohenden Auffahrunfällen automatisch bremst. Der 2013 gebaute und 2014 erstmals eingesetzte Reisebus musste diese Technik nicht haben - erst bei später gebauten Modellen wurde sie Pflicht. Ob ein solches System das Inferno verhindert hätte? Das sei "spekulativ", sagt Staatsanwalt Götz.

Konstruktionsfehler?

Warum in dem Busmodell Batterie, einer der Kraftstofftanks und ein Drucklufttank so eng im Vorderteil nebeneinander verbaut wurden, können die Ermittler nicht beantworten. Man habe recherchiert, ob bei baugleichen oder ähnlichen Modellen schon einmal solche Reaktionen zu beobachten waren, sagt Thiemt: "Wir konnten keine solchen Unfälle finden, wo sich das so entwickelt hat."

Ersatzfahrer kann noch Türen öffnen

Rauch und Feuer breiteten sich rasend schnell im Bus aus. 18 Menschen konnten sich nicht mehr retten. Die anderen 30  Businsassen wurden teils schwer verletzt, zwei von ihnen sind immer noch im Krankenhaus. Dem Ersatzfahrer (43) gelang es, eine der Türen zu öffnen und Menschen nach draußen zu bringen.

Diese Frage kann wohl nie beantwortet werden

Ungeklärt wird wohl bleiben, warum der Fahrer unaufmerksam war und den bremsenden Sattelzug vor ihm zunächst übersehen hatte. Die Befragungen der Überlebenden ergaben lediglich, dass es weitgehend ruhig im Bus war, Fahrgäste haben ihn also nicht abgelenkt. Auch eine toxikologische Untersuchung brachte keine Hinweise. Die sterblichen Überreste des Busfahrers wurden auf dem Fahrersitz geborgen, die Gurt war noch verschlossen. Spekulationen, wonach er noch Menschen aus dem Bus geholfen haben soll, haben sich nach Auffassung der Ermittler nicht bestätigt.