Kathleen Bachmann flüstert und bohrt

Die Pferde-Zahnfee aus Martinroda

Kathleen Bachmann flüstert und bohrt. Foto Redaktion
Kathleen Bachmann flüstert und bohrt. Foto Redaktion
Autor: Christian Weirich | Datum: 20.03.2017
Behandlung ohne Betäubung - sie greift dem Hengst mit bloßen Händen ins Maul.

"In der Ruhe liegt die Kraft!"
Dieser Spruch ist für Kathleen Bachmann aus Martinroda im Wartburgkreis tägliches Credo. Denn sie raspelt Pferden die Zähne, ohne dass die scheuen Fluchttiere mit Medikamenten ruhiggestellt werden müssen. Annäherung und Rückzug nennt sie ihre Methode. Wenn die Pferde schön mitmachen, gibt es ein Leckerli. Nur wenn sich ein Pferd überhaupt nicht an den Kopf fassen lässt, dann hat auch Kathleen Bachmann keine Chance.

Ohne Betäubung greift Kathleen den Pferden ins Maul"Ich greife dem Tier ins Maul und sehe mit den Händen."
Pferde haben tatsächlich sehr oft Zahnprobleme. Schon in der zehnten Klasse wusste Kathleen Bachmann, sie möchte nicht an der Kasse oder am Band stehen. Sie wollte einen Job, bei dem sie mit Menschen in Kontakt kommt und absolvierte eine Ausbildung als Zahnarzthelferin. Mit 14 bekam sie ihr erstes eigenes Pferd. Einen Lipizzaner. Als er in die Jahre kam und plötzlich nicht mehr richtig fressen konnte, musste auch das geliebte "Hotti" zum Zahnarzt. So kam sie mit ihrem späteren Mentor in Kontakt, Joachim Brand, ein Pferde-Dentalpraktiker aus Bayern, brachte ihr nach und nach alle wichtigen Handgriffe bei.

"Mein erster Patient - ausgerechnet ein Hengst".
Als Erstes wurde an einem Holzstück geübt und dann an einem Pferdschädel aus dem Schlachthof. Der Pferde-Zahnarzt muss sich auf seine Hände verlassen. Er greift dem Tier ins Maul und sieht mit den Händen. Diese Kunst das erste Mal an einem echten Pferd ausprobieren war absolut aufregend für Kathleen Bachmann. Mit der Zeit wuchs die Erfahrung und auch das Selbstvertrauen. Der erste echte eigene Patient war ein Haflingerhengst. Ausgerechnet ein Hengst!



"Oft sind die Pferde so dankbar, dass sie mich in die Knie 'kuscheln'."

Nach und nach hat sich die Arbeit der Zahnfee bei uns in Thüringen herumgesprochen. Inzwischen ist sie drei Tage die Woche unterwegs  - auch über die Landesgrenzen hinaus - in Bayern oder Sachsen-Anhalt. Dass sie das alles tatsächlich ohne Sedierung der Tiere hinbekommt, glauben die meisten Pferdebesitzer noch immer erst, wenn sie es selbst sehen. Oft sind die Pferde über die Behandlung regelrecht dankbar. "Sie senken dann derart den Kopf und kommen mir richtig entgegen, dass ich regelrecht in die Knie gehe." Wenn das Pferd dann zufrieden vom Hof trottet, ist das der größte Lohn. "Ich habe meinen Traumberuf und das macht mich einfach nur glücklich." Später irgendwann möchte sie ihr medizinisches Wissen noch erweitern und träumt davon, künftig Pferde auch mit Akupunkturnadeln behandeln zu können.